Rap aus Berlin ist nicht gerade bekannt für seine Themen und Inhalte. Auch Bushido macht da keine Ausnahme. Zum Großteil rappt er daher auf "Von der Skyline zum Bordstein zurück" - quasi die Fortführung seines 2003er-Albums "Vom Bordstein zur Skyline" - über sich, sein großes Ego, seine großen Eier und das große Konto. Schließlich wird er auch nicht müde zu betonen, dass er bei einem Major zig Platten verkauft hat und Dauergast auf MTV ist. Das oblogatorische Hervorheben der Heimatstadt "Berlin" darf natürlich auch nicht fehlen.
Zwischendurch gibt es die üblichen Schimpf-Tiraden, wobei Bushido in der Wahl seiner Worte nie besonders originell, geist- oder einfallsreich ist. Die Beleidigung "Du sitzt am Lagerfeuer und hörst Christina Stürmer" zählt da noch zum Besseren. Er konzentriert sich lieber auf derbe und direkte Ansagen, die er bevorzugt an Rapper-Kollegen wie Sido und Fler sowie neuerdings auch Curse und Torch richtet. Die beiden letzteren dürften sich davon allerdings wenig beeindruckt zeigen, sprechen sie doch ein ganz anderes Publikum an.
Doch nicht alles ist schlecht bzw. schlicht langweilig und inhaltslos auf dem neuen Album. Unter den insgesamt 21 Tracks finden sich durchaus einige Perlen. Zum Beispiel "Janine", auf dem Kindsmissbrauch thematisiert wird. Auch "Kein Fenster" oder "Wenn ein Gangster weint" zeigen den Rapper von seiner eher nachdenklichen Seite und lassen tiefer blicken. Hier bleibt Bushido tatsächlich mal bei der Sache und knallt einem nicht einfach hohle Phrasen vor den Latz. "Sonnenbank Flavour" treibt diese Technik - allerdings gekonnt - auf die Spitze: Der Hörer muss sich auf einen Haufen Schlagwörter seinen eigenen Reim machen.
Hoch anzurechnen ist ihm auch, dass er sein neuestes Album wieder quasi im Alleingang produziert hat und auch ohne Feature-Gäste daher kommt. So sind es letzten Endes vor allem wieder die düsteren und dreckigen Beats, mit denen Bushido punkten kann.
Fazit: Bushido möchte mit seinem neuen Album zurück auf die Straße, zurück zum Bordstein und somit auch zurück zu alter Realness. Zumindest ansatzweise gelingt ihm das auch. Doch der Erfolg ist an Bushido eben nicht spurlos vorübergegangen und so dürfte ein Lied wie "Goldrapper" gerade den alten Fans gehörig vor den Kopf stoßen. Jugendliche Vorstadt-Gangster wird das freilich nicht abschrecken und so wird Bushido trotz zunehmend einfallsloserer Texte auch weiterhin Erfolg beschert sein.
6 von 10 weinenden Gangstern
Sebastian Räuchle
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