Mo, 17. Dezember 2018

Freiwillige Rückkehr

11.08.2016 07:18

Flüchtling: "Ich will zurück zu meiner Familie"

Bundesweit haben heuer schon 3195 Migranten einen Antrag auf freiwillige Ausreise gestellt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: negative Asylbescheide, falsche Erwartungen und Versprechen - oftmals geschürt von Schleppern -, keine Chance auf Familiennachzug. Einer von ihnen ist der fünffache Vater Muhssen Jurani (59) aus Basra im Irak. Vor zehn Monaten kam er in Linz an, jetzt kehrt er freiwillig in die Heimat zurück.

"Krone": Warum sind Sie aus dem Irak weggegangen?
Muhssen Jurani: Ich war Fahrer bei einer amerikanischen Ölfirma und wurde bedroht.

"Krone": Wie kamen Sie hierher?
Jurani: Mit dem Flugzeug in die Türkei, dann mit dem Schiff, Auto und zu Fuß. Ich hatte kein konkretes Ziel, in Österreich hat mich die Polizei gestoppt.

"Krone": Und warum wollen Sie jetzt wieder nach Hause?
Jurani: Ich habe fünf Kinder - vier Töchter, einen Sohn -, aber nur ein Mädchen ist unter 18 Jahre. Alle anderen dürften nicht nachkommen. Dass die Familie nachkommt, war aber mein Ziel. Das hat keinen Sinn, ich will zu meiner Familie zurück.

"Krone": Wäre es nicht denkbar gewesen, dass die Kinder einzeln reisen und auch einzeln Asyl beantragen?
Jurani: Dann hätte ich eine Truhe voller Geld gebraucht.

"Krone": Wie viel hat Ihre Reise - oder Flucht - gekostet?
Jurani: Etwa 600 US-Dollar (rund 540 Euro, Anm.). Das Geld habe ich mir ausgeborgt, ich muss es zurückzahlen. Im Irak gibt es keine Jobs, ich weiß noch nicht, wie ich das mache.

"Krone": Hat sich, im Nachhinein betrachtet, die Flucht gelohnt, denn jetzt stehen Sie ja schlechter da als vorher.
Jurani: Ich glaube schon, es war eine Chance. Jetzt wird es irgendwie weitergehen. Wichtig ist für mich im Moment, dass ich zu meiner Familie komme.

"Oft sagten Klienten: 'Wie blöd war ich?'"
So wie Jurani geht es auch vielen anderen Flüchtlingen. Vor allem Iraker, Afghanen und Iraner sind es, die nun wieder nach Hause wollen, da sich ihre Träume nicht erfüllt oder sich die Umstände in der Heimat geändert haben. "Oft sagten Klienten: 'Wie blöd war ich?'", weiß Vesna Kolic vom Verein Menschenrechte, der in Oberösterreich neben der Caritas die Rückkehrberatung betreibt.

Die Helfer organisieren Dokumente und Flüge, die Kosten übernimmt das Innenministerium oder die EU. "Wir verwenden keine Spendengelder", stellt man bei der Caritas in Linz klar. Das Ministerium zahlt als Anreiz zwischen 50 und 370 Euro an Ausreisende. Für Afghanen, Marokkaner und Nigerianer sind es sogar bis zu 500 Euro, wenn sie innerhalb von drei Monaten nach Ankunft wieder ausreisen, ab dem sechsten Monat sind es nur noch 50 Euro.

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