Fr, 19. Oktober 2018

Kleiner ganz stark

27.06.2016 23:33

VW up! kriegt sportlichen Turbo und fette beats

Der VW up! Macht im zweiten Teil seines Lebenszyklus seinem Namen endlich richtig Ehre: Ab Herbst geht es mit der Motorleistung aufwärts. Die Wolfsburger blasen den Einliter-Dreizylinder per Turbolader auf flotte 90 PS auf und machen ihn dadurch beinahe zum Sportler. Verhältnismäßig noch fettere Leistung erhält auf Wunsch das Soundsystem - mit beats statt Turbo.

So wird der VW up! Zur veritablen Rennsemmel. Dank des geringen Leergewichts von nur 927 kg dauert der Sprint auf 100 lediglich 9,9 Sekunden, mit maximal 185 km/h geht sich in Österreich schon der Führerscheinentzug aus. In Italien reicht es theoretisch sogar für eine Fahrzeugbeschlagnahme, jedenfalls auf unserer Teststrecke am Comer See, wo sich immer wieder fix installierte Lichtschranken zur Tempomessung finden.

Licht gibt es im up! auch in positivem Zusammenhang: Die Scheinwerfer bekommen serienmäßig LED-Tagfahrlicht, der Innenraum optional Ambiente-Beleuchtung, allerdings nur vorn an der Konsole, nicht in den Türen. Neu sind auch die Heckleuchten, dazu ein Design-Diffusor. Das Top-Element am Heck ist aber die riesige dunkle Glasfläche der Heckklappe, in der sich im Sonnenlicht so herrlich die Landschaft spiegelt. Wenn sie sauber ist. Die Glasfläche, nicht die Landschaft.

Die zieht, wenn es drauf ankommt, vorbei wie in einem zu schnell laufenden Film, denn der TSI-up! verleitet zum Gasgeben. Nach einer leichten Anfahrschwäche (nicht ausgeprägter als beim 75-PS-Saugmotor) lässt er sich gerne drehen und wird dabei auch nicht besonders laut. Subjektiv jedenfalls, denn der kernige Klang des Triple passt sehr gut zum Charakter des Autos. Als Verbrauch gibt VW 4,4 l/100 km an, auf der ersten Testfahrt war es ein Liter mehr.

Das Fahrwerk müht sich redlich um Contenance, in schnellen Kurven fängt's dann doch relativ früh zu quietschen an. Sonst gibt es so viel Komfort, wie in dieser Klasse eben möglich ist. 2,42 m Radstand sind nicht die Welt, aber im Vergleich doch relativ viel.

Ich fühle mich wie früher, italienisch Auto fahren in einem Kompaktwagen (damals waren die so groß wie heute dieser Kleinstwagen). Beide Fenster auf (warum spart VW bei der Automatikfunktion für die Fensterheber?), dazu das herrliche Glaspanoramadach. Mehr Klima braucht es gerade nicht - gäbe es aber, denn erstmals ist im VW up! eine Zweizonen-Klimaautomatik (mit Allergenfilter, der auch Pilzsporen sammelt) erhältlich. Sportlich-italienisch klingt die aufpreispflichtige Doppelton-Hupe, macht richtig einen auf dicke Hose.

Apropos. Künftig kann ein VW up! die ganze Gegend beschallen, spontane Straßendiskos sind kein Problem mehr. Dazu muss man lediglich um gut 1600 Euro das beats-Paket ordern. Dazu gehört u.a. eine 300-Watt-Soundanlage mit sechs Lautsprechern und einem mächtigen Subwoofer, ebenso einige exklusive Design-Features, zu denen im Innenraum eine weiße Blende mit beats-Logo gehört.

Neu ist auch die komfortable Smartphone-Einbindung. Je nach Ausstattung klemmt man einfach sein Android-Smartphone oder iPhone obenauf in die Halterung, verbindet es, öffnet eine up!-App - schon kann man es über die Konsole bedienen, oder über das Display inklusive Handschrifterkennung. Navigation, Musik und Fahrdaten inklusive. Bis zur Markteinführung im September sollten aber noch einige Kinderkrankheiten ausgemerzt werden. Derzeit kann es etwa vorkommen, dass das Navi plötzlich auf ein anderes Reiseziel umschwenkt oder sich nach einem Motor-Neustart aufhängt.

Zwar ist der neue up! bereits grundsätzlich bestellbar, das gilt aber noch nicht für die neue Topmotorisierung. Außerdem wird die Faceliftversion ohnehin erst im Herbst ausgeliefert. Da zahlt es sich aus, in Ruhe zu überlegen, wie das neue Auto ausschauen soll. Zur Wahl stehen 13 Außenfarben, drei Dachfarben, dazu zehn Dekorfolien, sieben Sitzdesigns und zehn "Dashpads" (Armaturenbrett-Blenden). VW schließt manche Kombinationen aus; das macht Kunden die Qual der Wahl ein wenig leichter verhindert widerverkaufserschwerende Kombis von vorneherein. Dazu die Motorauswahl zwischen drei Benzinern (55, 75 und 90 PS), einem Erdgasmotor (68 PS) und Elektroantrieb (82 kW) und Ausstattungsdetails wie Rückfahrkamera, Parksensoren, City-Notbremsassistent oder auch Tempomat.

Allen up!s gemein ist: Vorne sitzt man ganz hervorragend auf bequemen Sitzen mit ausreichend langer Beinauflage, fast wähne ich mich eine Klasse höher. Hinten mangelt es nur an Kniefreiheit (jedenfalls hinter mir), mein Kopf bekommt hingegen genug Luft. Für eine bessere Nutzbarkeit sollte man nicht auf hintere Türen verzichten, obwohl die hinteren Fenster nur ausstellbar sind.

Unterm Strich
VW hat den up! ein ganzes Stück erwachsener gemacht, nicht zuletzt durch den ernstzunehmenden Turbomotor. Doch es kommt noch mehr, es ist von einem 110 PS starken GTI die Rede. Das beats-Paket muss man nicht unbedingt haben, es sei denn, man steht auf extreme Bässe, denn das Radio "composition phone" klingt auch schon ganz hervorragend. Preislich fängt der VW up! bei 9990 Euro an, inklusive fernbedienter Zentralverriegelung, Klimaanlage, Regensensor, Radio und Scheinwerferautomatik. Der Preis für den Turbo steht noch nicht fest, wird aber bei rund 12.500 Euro liegen.

Wer will, kann für den VW up! also auch richtig viel Geld ausgeben, für Leistung, Sound und Optik. Doch als Einkaufswagen reicht schon die Basis vollkommen.

Warum?

  • Vor allem mit dem Turbo-Triebwerk fehlt es einem an nichts.
  • Mit Farben und Styles lässt sich optisch viel herausholen.

Warum nicht?

  • Das Navitainment via Smartphone hat noch Kinderkrankheiten.

Oder vielleicht …

… Hyundai i10, Opel Adam oder die Pendants von Seat und Skoda

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