30.05.2016 10:35 |

Bestseller-Autor:

"Der Islam wird Europas Gesellschaft aufsprengen"

In seinem Buch "2084. Das Ende der Welt" zeichnet der algerische Schriftsteller Boualem Sansal ein düsteres Bild der Zukunft westlicher Gesellschaften. Nicht der Überwachungsstaat wie in George Orwells Dystopie "1984" unterjocht darin die Bürger, sondern radikale Islamisten und der politische Islam. In einem Interview warnt der Autor: Der Islam werde "unsere Gesellschaft aufspalten", Deutschlands Willkommenskultur sei "komplett naiv" gewesen.

Deutschland sei aufgrund der Kriegserfahrung eine extrem tolerante Gesellschaft. Und das werde von Islamisten ausgenutzt, warnt Sansal im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt". Islamisten, die aus seiner Heimat Algerien verjagt wurden, habe man in Deutschland als Flüchtlinge anerkannt. "Deutschland war komplett naiv", urteilt Sansal - und warnt unsere Nachbarn, dass sie langfristig am meisten bedroht seien.

"Rückkehr des Religiösen" in ganz Europa
Doch die Islamisierung der Gesellschaft hin zur Glaubensdiktatur, die er in seinem allein in Frankreich 300.000 Mal verkauften Buch thematisiert, sei kein deutsches Phänomen. In ganz Europa sei eine "Rückkehr des Religiösen" zu beobachten. Vor allem bei jungen Leuten sei der Islam en vogue, er kontaminiere langsam die ganze Gesellschaft, warnt der Autor.

Autor zeichnet düstere Zukunft für Frauen
Besonders bedrohlich zeichnet Sansal die Folgen für Frauen. Ein gleichberechtigtes Miteinander zwischen Mann und Frau sei in einem islamisierten Europa nicht mehr denkbar. "Im islamischen Universum gibt es nur die Mutterliebe, die Liebe zu Gott. In der Liebe verstecken sich die Frauen. Die Frau selbst spielt keine Rolle", erklärt Sansal. Gerade die Liebe, auf der das christliche Universum fußt, werde vom Islam aktiv bekämpft.

"Islamisten wollen die Gesellschaft spalten"
Die Attacken der Islamisten richteten sich dabei ganz bewusst gegen die westliche Lebensart, unsere gemeinsamen Werte. Über den IS und die Terrorattacken in Paris sagt Sansal: "Sie können nicht mal die schwachen arabischen Staaten besiegen. Also müssen sie den Westen dazu bringen, sich selbst zu zerstören. Sie wollen die Gesellschaft spalten und wissen: Wenn ihnen das gelingt, fällt sie ganz allein in sich zusammen."

Freilich: Die Angst, die Islamisten in jüngster Zeit mit Terrorakten in Europa geschürt haben, ist für Beobachter, die selbst Muslime sind, nichts Neues.

"Muslime haben mehr Angst vorm Islamismus als ihr im Westen"
"Sie täuschen sich im Westen, wenn Sie glauben, Muslime seien alle Islamisten. Wir haben mehr Angst vorm Islamismus als die Menschen im Westen", sagt Sansal, in dessen algerischer Heimat islamistische Gedanken längst um sich greifen. Der aufgeklärte Autor: "Nach der Unabhängigkeit gab es 150 Kinos und 250 Buchläden in Algerien. Heute gibt es kein einziges Kino mehr und vielleicht vier, fünf Buchläden in Algier. Dafür hat sich die Zahl der Moscheen vertausendfacht."

Endet Europa im Erdogan-"Kalifat"?
Sansal befürchtet - auch mit Blick auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan -, dass solch kulturfeindliche islamistische Politik um sich greifen und letztlich auch Europa erreichen wird. Der türkische Präsident verhalte sich wie ein Kalif, der das osmanische Reich - laut Sansal das gewalttätigste Kalifat der islamischen Welt - wieder aufleben lassen wolle.

Und weil die Araber das nicht akzeptieren würden, könnte Erdogan mit dem Gedanken spielen, sein Reich nach Europa auszudehnen. Gerade für Deutschland mit seinen vielen türkischen Zuwanderern sei das eine Gefahr.

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