14.08.2006 16:33 |

Terror-Alarm

Flug wegen herrenlosem Handy abgebrochen

Die aktuellen Ereignisse rund um in Großbritannien festgenommene Terrorverdächtige, die offenbar neun Flugzeuge mit Flüssigsprengstoff explodieren lassen wollten, verunsichern. Besonders deutlich ist dies am Montag geworden, als an Bord einer Passagiermaschine der British Airways ein herrenloses Handy klingelte. Der Kapitän hat den Flug nach New York abgebrochen und ist nach London zurückgekehrt.

Das Mobiltelefon wurde im hinteren Teil des Flugzeugs entdeckt, berichtete die britische Presse-Agentur PA.

Passagiere verweigern Flug
Nach einer Untersuchung des Telefons durch die Besatzung kamen Sicherheitsexperten des Flughafens Heathrow zu der Einschätzung, die Fortsetzung des Fluges sei sicher. Am frühen Montagmorgen startete die Maschine erneut Richtung New York, wo sie sicher landete. Allerdings waren nur noch 152 der ursprünglich 217 Passagiere an Bord.

Terrorwarnstufe heruntergesetzt
Das britische Innenministerium hat in der Nacht auf Montag die Terrorwarnstufe von "critical" ("kritisch") auf "severe" ("ernst") gesenkt. In einer Erklärung des Innenministeriums hieß es, das bedeute, dass die Möglichkeit eines Terroranschlages immer noch sehr wahrscheinlich sei, aber dass auf Grund von Geheimdienstinformationen ein Attentat nicht mehr unmittelbar bevorstehe.

USA erlauben wieder Handgepäck

Auch das US-Heimatschutzministerium senkte am Sonntag die Sicherheitsstufe für kommerzielle Flüge von Großbritannien in die USA. Es gelte nun die Stufe "orange", erklärte das Ministerium. Zuvor war es die Höchststufe "rot". Im Rahmen der Absenkung der Warnstufe wurde auch das Verbot für Handgepäck für Flugpassagiere aufgehoben. Bestimmte Einschränkungen für den Inhalt des Handgepäcks blieben aber bestehen, teilte das Transportministerium mit. Die Absenkung der Warnstufe basiere auf neuesten Erkenntnissen der Geheimdienste, hieß es in der Erklärung weiter.

Großbritannien massiv bedroht
Am Sonntag hatte es geheißen, Großbritannien sei offenbar noch weit stärker durch terroristische Anschlagspläne bedroht als bisher befürchtet. Allein seit den verheerenden Selbstmordattentaten in der Londoner U-Bahn vor einem Jahr mit mehr als 50 Toten seien vier potenziell folgenschwere Terrorangriffe verhindert worden, sagte Innenminister John Reid.

Reid sagte dem Sender BBC, die Festnahme von mehr als 20 mutmaßlichen Flugzeug-Terroristen am Donnerstag sei kein Grund zur Entwarnung.

Mutmaßlicher Drahtzieher im Visier der Ermittler
Unterdessen läuft die Suche nach den verbliebenen Tätern auf Hochtouren. Der mutmaßliche Drahtzieher der vereitelten Anschläge auf Transatlantikflüge war vor seiner Festnahme bereits länger im Visier der Ermittler. Telefongespräche und E-Mails des britischen Staatsbürgers Rashid Rauf seien schon über einen längeren Zeitraum überwacht worden, sagte ein pakistanischer Sicherheitsvertreter.

Pakistanische Sicherheitskreise wiesen derweil US-Medienberichte zurück, denen zufolge das mutmaßliche El-Kaida-Mitglied Matiur Rehman maßgeblich an der Anschlagsplanung beteiligt war. Nach dem 29-Jährigen wird wegen eines Anschlagsversuch auf Musharraf gefahndet.

Innenminister Reid sagte in einem Interview mit der BBC, dass die wichtigsten Verdächtigen festgenommen worden seien. 22 der 24 Festgenommenen können nach einer Entscheidung der britischen Behörden bis mindestens nächsten Mittwoch festgehalten werden. Einer der Verdächtigen solle am Montag angehört werden, ein weiterer Festgenommener sei am Freitag ohne Anschuldigung freigelassen worden, berichtete der Sender BBC.

Razzien auch in Italien
Auch zwei Tage nach Enthüllung des Komplotts galt in Großbritannien weiter höchste Alarmstufe. In Italien wurden bei Razzien im islamistischen Milieu in den vergangenen zwei Tagen etwa 40 Verdächtige vorsorglich in Haft genommen. Die USA kündigten eine baldige Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen an den Flughäfen an. Frankreich untersagte vorübergehend den Transport von Flüssigkeiten, Cremes oder Gels im Handgepäck.

Scharfe Kritik an Blair
38 Moslemverbände kritisierten am Samstag in einem offenen Schreiben Tony Blairs Außenpolitik. Der britische Premier habe mit dem "Debakel im Irak" und seinem Versagen bei der Erlangung eines Stopps der Angriffe auf Zivilisten im Nahen Osten den Extremismus angeheizt und Menschen im In- und Ausland in Gefahr gebracht. Die Regierung wies die Vorwürfe als "Teil einer deformierten Sicht des Lebens" zurück.

Insgesamt bis zu 50 Beteiligte
An dem Terrorplan seien insgesamt bis zu 50 Menschen beteiligt gewesen. Sie seien noch nicht in den Flugzeugen gesessen, dem Abflug aber sehr nahe gekommen. Ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes sagte, die mutmaßlichen Attentäter hätten Flugzeuge von United Airlines, American Airlines, Continental Airlines und weiteren Fluglinien sprengen wollen. Sie hätten Flüge im Visier gehabt, die von Großbritannien aus zu "wichtigen Urlaubszielen" in den USA gingen - wie New York, Washington, Los Angeles, Boston und Chicago.

Angst vor "Plan B"
Bisherigen polizeilichen Erkenntnissen zufolge wollten die Täter Flüssigsprengstoff in die Maschinen schmuggeln und in der Luft zur Explosion bringen. Als Zünder seien elektronische Wecker, Laptops, iPods  und Taschenrechner vorgesehen gewesen. In britischen Sicherheitskreisen hieß es, der Plan hätte innerhalb der nächsten Tage ausgeführt werden können. Jetzt grassiert die Angst vor einem möglichen "Plan B".

Keine Flüssigkeiten an Bord erlaubt
Reisenden in den USA wurde es untersagt, Getränke, Haargels, Lotionen oder andere Flüssigkeiten mit an Bord zu nehmen. Ausnahmen sind Baby-Nahrung und Medizin. Wer Babymilch mitführte, musste vor den Augen von Sicherheitsbeamten von der Milch kosten, um nachzuweisen, dass diese ungefährlich ist. Auch Laptops und Mobiltelefone dürfen nicht als Handgepäck mit ins Flugzeug genommen werden.

Eine detaillierte Auflistung aller an Bord eines Flugzeuges erlaubten und verbotenen Gegenstände siehe Infobox!

Symbolbild