Chaos in Nordkorea

Offenbar 10.000 Tote und Vermisste durch Unwetter

Ausland
02.08.2006 15:45
In Nordkorea sind bei einem verheerenden Unwetter Mitte Juli nach Angaben einer südkoreanischen Hilfsorganisation womöglich bis zu 10.000 Menschen ums Leben gekommen oder gelten noch als vermisst. Etwa 4.000 Menschen würden auf den Vermisstenlisten geführt, berichtete am Mittwoch die buddhistische Gruppe "Good Friends" in Seoul.

Bis zu 1,5 Millionen Nordkoreaner seien von den Überschwemmungen aus ihren Häusern vertrieben worden, sagte die Projektkoordinatorin der Gruppe, Erica Kang, ohne ihre Informationsquellen zu nennen.

Es sei möglicherweise die größte Überschwemmungskatastrophe in Nordkorea seit Jahrzehnten. Ein Hilfsangebot der südkoreanischen Rot-Kreuz-Gesellschaft lehnte der nordkoreanische Verband laut Kang allerdings ab.

Sintflutartiger Regen
Die koreanische Halbinsel wurde im vergangenen Monat von tagelangen sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. Die offiziellen nordkoreanischen Medien hatten erst Tage später von hunderten von Toten und Vermissten gesprochen. Nach Angaben von UN-Hilfsorganisationen kamen in dem von chronischer Lebensmittelknappheit betroffenen Land mindestens 154 Menschen durch die Auswirkungen des Unwetters ums Leben.

Hungersnot und Krankheiten drohen
Die Gruppe "Good Friends", die sich vor allem für nordkoreanische Flüchtlinge in China einsetzt, hatte in der vergangenen Woche die Zahl der Überschwemmungsopfer noch auf etwa 3.000 beziffert. Genaue Angaben über Schäden hätten jedoch auf Grund der schwierigen Kommunikations- und Transportmöglichkeiten nicht an die Regierung weitergeleitet werden können. Da in den betroffenen Gebieten große Teile der Ackerflächen weggespült worden seien, sei die Gruppe wegen der Versorgungslage "sehr besorgt", sagte Kang. Auch könnten sich nach den Überschwemmungen Krankheiten schneller ausbreiten.

Südkorea verweigert Hilfslieferungen wegen Raketentests
Durch die neuen Überflutungen drohen dem abgeschotteten Land erneut ernsthafte Versorgungsengpässe. Nordkorea ist seit Jahren wegen der eigenen Misswirtschaft und nach Naturkatastrophen Mitte der 90er Jahre auf Hilfe von außen angewiesen. Zuletzt hatte Südkorea allerdings erklärt, zusätzliche Lieferungen mit Reis und Düngemitteln für das kommunistische Nachbarland auszusetzen. Als Grund nannte Seoul die Raketentests am 5. Juli in Nordkorea, die neue Spannungen in der Region ausgelöst hatten.

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