29.07.2006 16:46 |

Unfall im Kongo

EU-"Drohne" stürzt auf Armenviertel

Ein Unfall mit einer Drohne der EU-Kongo-Truppe EUFOR hat kurz vor den Wahlen im Kongo in der Hauptstadt Kinshasa für Aufregung gesorgt. Beim Absturz des unbemannten Flugzeugs auf ein Wohnhaus in einem Armenviertel von Kinshasa waren am Freitagabend mindestens acht Menschen verletzt worden. "Ein Mann erlitt schwere Verbrennungen", sagte der französische Militärarzt Pierre Olivier Miloche, der am Samstag die Unfallstelle besuchte, um sich über mögliche weitere Verletzte zu informieren. Ein Teil der Verletzten war in das Feldlazarett der Bundeswehr gebracht worden. Die Absturzursache werde noch untersucht, sagte EUFOR-Sprecher Peter Fuss. "Wir gehen davon aus, dass es ein Softwarefehler war", sagte er.

Die belgische Drohne war bei einem Testflug etwa drei Kilometer südlich des EUFOR-Lagers in Kinshasa über dem so genannten Viertel der Fischer abgestürzt und hatte ein Haus getroffen. In dem einstöckigen Steinhaus mit Wellblechdach wohnten drei Familien. Mehrere Frauen konnten fliehen, ein Säugling wurde in letzter Minute in Sicherheit gebracht, bevor das Haus in Brand geriet. "Ich habe alles verloren", klagte die 76 Jahre alte Véronique Nazadou. "Ich habe Hunger, und ich habe kein Geld mehr, mir Essen zu kaufen."

EUFOR kündigte eine angemessene Entschädigung der ersten zivilen Opfer dieses Einsatzes an. Die zweite Drohne der Belgier soll aus Sicherheitsgründen zunächst am Boden bleiben. Eigentlich hatte sie am Wahltag über Kinshasa kreisen und Aufnahmen liefern sollte. Nach Ansicht von Beobachtern wird der Vorfall das Misstrauen der Bevölkerung gegen die EU-Truppe weiter verstärken. Viele Menschen in Kinshasa glauben, dass die Europäer gekommen seien, um Präsident Joseph Kabila zu unterstützen.

Deutsche und französische Soldaten haben bereits zahlreiche Informationsveranstaltungen organisiert, um die Bevölkerung über den Einsatz aufzuklären. Bei ihren Fahrten werden sie jedoch häufig beschimpft und zum Verschwinden aufgefordert. In den vergangenen Tagen schlugen Randalierer mehrere Autofenster ein und verletzten drei Franzosen leicht.

Symbolbild