So, 22. Juli 2018

"Krone" in Brüssel

24.03.2016 16:48

Strenge Kontrollen und Razzien sind nun Alltag

Auf der Place de la Bourse brandet zum wiederholten Mal Beifall auf. Wieder haben sich Hunderte Menschen im Herzen Brüssels versammelt. Sie singen, sie beten. Sie tanzen und entzünden Kerzen. Sie schreiben mit Kreide Nachrichten auf den kalten Boden, gesäumt von Dutzenden TV-Teams aus aller Herren Länder. Der Börsenplatz hat sich seit den verheerenden Terroranschlägen von Dienstagfrüh zu einer Art Zentrum des Widerstands entwickelt. Friedlicher Widerstand. Gegen Angst und Schrecken.

Die Menschen - vor allem junge - wollen aber hier vor allem eines: Die Tragödie verarbeiten. Oder die Realität so weit als nur möglich wegschieben. Denn diese hat Brüssel längst eingeholt. Um nicht in Schockstarre zu verfallen, übt sich die Stadt weiter in Zweckoptimismus. Es macht den Eindruck, als hätten Polizei und Militär alles aufgeboten, was eine (schwere) Waffe tragen kann.

Strenge Kontrollen bei U-Bahn
Am berühmten Manneken Pis stoppt ein Streifenwagen. Eine Beamtin steigt aus, wirft ein paar prüfende Blicke in mehrere Mülltonnen, steigt wieder ein und zieht von dannen. Auch in den U-Bahn-Stationen halten vor allem Soldaten nach Bomben Ausschau. Jeder (!) Fahrgast, der das U-Bahn-Netz betritt, muss seine Taschen öffnen. Vermittlung von Sicherheit oder Verbreiten von Panik? Oft ist es nur ein schmaler Grat.

Wenn die Nacht über Brüssel hereinbricht, sind die Einsatzkräfte noch sicht- und hörbarer. Es ist kurz vor Mitternacht im Stadtteil Schaerbeek, als man in der Ferne wieder Sirenen hört. Und schon rasen sie um die Ecke - ein, zwei, drei, vier Streifenwagen. Blaulicht und Vollgas. Ihr Ziel ist nicht zu erfahren. Zu viele Alarmierungen und Einsätze wurden seit Dienstag verzeichnet, als dass ein Außenstehender noch den leisesten Überblick behalten könnte.

Festnahmen, Razzien, Fehlalarme
Festnahmen, Razzien, Fehlalarme - der neue Alltag in der EU-Hauptstadt. Das Brüsseler Stadtbild ist geprägt von schweren Waffen und schusssicheren Westen. Hunderte Polizisten stehen im Dauereinsatz. Zwar hat man sich spätestens seit den Anschlägen von Paris im November an den Anblick Uniformierter gewöhnt, seit Dienstag hat es allerdings eine neue Dimension. Zusätzlich rückte das Militär an. "Ich schätze, wir sind zwischen 200 und 250 Mann", erzählt ein Soldat der "Krone", "verteilt auf die ganze Stadt."

Die Sicherheitsbehörden wollen sich nicht noch einmal nachsagen lassen, zu lax zu handeln. Was auch ein Polizist bestätigt, während er auf sein Maschinengewehr klopft, aber: "Jetzt ist die Politik am Zug. Europas Politik."

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