„Morton“ nannte sich der arbeitslose Siegfried D. (61) aus Waldzell, war nach eigenen Angaben einer der sieben besten Meister. In einem abgedunkelten, sechs Quadratmeter großen Mansardenzimmer fanden die Sitzungen statt. Zwischen 500 und 3000 Euro für etwa 45 Minuten zahlten die Kunden. Verkäuferinnen, Baupoliere, Humangenetiker, LehrerInnen, UnternehmerInnen aus ganz Oberösterreich, und sogar Angehörige eines Promi-Sportlers waren darunter.
Heilung von Krebs erhofft
Sie versprachen sich Besserung bei Beziehungsproblemen, Heilung von Krankheiten wie Krebs oder die Erfüllung eines sehnlichen Kinderwunsches. „Die Leute wurden teils sogar psychisch abhängig und kamen immer wieder“, wissen die Waldzeller Polizisten, die das Ehepaar nun verhaftet haben, nachdem sich ein Opfer wegen der hohen Zahlungen, aber geringen Erfolgen beschwert hatte.
„Reichtumsmünzen“ um 1000 Euro
In dem mit gruseligen Totenköpfen, Schwertern, Kelchen und Blutschalen „dekorierten“ Raum soll „Meister Morton“ seinen 25- bis 70-jährigen verzweifelten Opfern auch berauschende Mittel eingeflößt haben. Teils stachen die Leute dann auf durch Chemikalien pulsierend gemachte Tierherzen ein, um ihre Wünsche zu beschwören. Waren die finanziellen Mittel der Opfer erschöpft, boten „Morton“ und seine Ehefrau Christine (51) - sie ist eine Notstandshilfeempfängerin - sogar „Reichtumsmünzen“ an. Aber reich wurden dadurch wieder nur die falschen Magier. „Sie haben die Münzen um je einen Euro ein- und um je 1000 Euro wieder weiterverkauft“, sind die Ermittler über die Dreistigkeit schockiert. Bis zu 80.000 Euro zahlten einzelne Klienten, die sich jetzt oft schämen, ihre Schicksale zu Protokoll zu geben.
26 Geschädigte konnte die Waldzeller Polizei bisher ermitteln. Aber „Meister Morton“ und seine Frau (für beide gilt laut Gesetz die Unschuldsvermutung) dürften noch viel mehr Leute ausgenommen haben. Das Paar streitet aber alles ab. Weitere Opfer sollen sich unter der Telefonnummer 0 59/133-42 47 bei der Polizei melden.
Fotos: Polizei
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