So, 19. Mai 2019
12.01.2016 09:17

In Mafia-Hochburg

I: Viele Krebsfälle wegen illegaler Müllentsorgung

Das italienische Gesundheitsinstitut schlägt wegen der besorgniserregenden Höhe der Tumorrate in der von der Camorra kontrollierten Region zwischen Neapel und Caserta Alarm: Wegen illegaler Müllentsorgung sei in den vergangenen Jahren die Zahl der Krebserkrankungen besonders stark gestiegen.

Betroffen seien vor allem Kinder, berichtete Loredana Musmeci, Expertin des Gesundheitsinstituts.

Analyse im "Feuerland"
Musmeci nahm 55 Gemeinden im "Feuerland", der Terra dei Fuochi, im Raum zwischen Neapel und Caserta unter die Lupe. Der Name leitet sich von den Hunderten von brennenden Mülldeponien ab, wo die sogenannte Öko-Mafia riesige Mengen von Haushalts- und Industriemüll sowie Sonderabfall illegal ablagert und verbrennt. Das Geschäft mit der Abfallentsorgung wird von einigen einflussreichen Clans der Camorra, dem neapolitanischen Arm der Mafia, beherrscht.

Laut Musmeci sei im "Feuerland" die Anzahl von Kindern, die im ersten Lebensjahr an einem Tumor erkranken, wesentlich höher als im Rest des Landes. Dasselbe gelte für Kinder bis zum 14. Lebensjahr.

Auch Erwachsene betroffen
Die krankheitserregenden Folgen der Umweltmisere betreffen auch Erwachsene, die häufiger als in anderen Teilen Italiens an Magen-, Leber-, Nieren- und Lungentumor erkranken, berichtete die Expertin.

Die Umweltsanierung und ein sofortiges Ende der illegalen Müllentsorgung seien für die öffentliche Sicherheit dringend notwendig, hieß es im Bericht des Gesundheitsinstituts.

Hochgiftige Abfälle auf Feldern
Schätzungen zufolge wurden in den Jahren 1991 bis 2013 rund zehn Millionen Tonnen Industrieabfall in dem Landstrich verbrannt, obwohl offene Mülldeponien in der Europäischen Union verboten sind. Das Geschäft mit dem Mist ist seit dem Ende der 1980er-Jahre eine lukrative Einnahmequelle für die neapolitanische Mafia.

Die Camorra lässt selbst giftige Abfälle wie Asbest, Lösungsmittel, Autoreifen und Kühlschränke auf den Feldern auskippen und zündet sie unterschiedslos an.

Schwer belastete Feldfrüchte
Internationale Aufmerksamkeit fand die Region durch den Bestsellerautor Roberto Saviano, der in seinem Buch "Gomorrha" aus dem Jahr 2006 über die Camorra schrieb. Unternehmen im ganzen Land zahlen demnach lieber Schmiergeld an die Mafia, als seriöse Müllfirmen damit zu beauftragen, ihren Unrat zu entsorgen.

Durch diese Praxis werden nicht nur gesundheitsschädigende Gase freigesetzt, sondern auch die Erde und das Grundwasser verseucht. Viele Feldfrüchte sind mit Arsen und Schwermetallen belastet.

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