Mi, 18. Juli 2018

Tokio lenkt ein

28.12.2015 08:54

Südkorea & Japan: Einigung im "Trostfrauen"-Streit

Südkorea und Japan haben im jahrelangen Konflikt um die Versklavung von Frauen in den Soldatenbordellen der japanischen Kaiserarmee im Zweiten Weltkrieg eine Einigung erzielt. Das sagte der südkoreanische Außenminister Yun Byung Se am Montag in Seoul nach einem Treffen mit Japans Außenminister Fumio Kishida. Die wenigen noch lebenden Opfer kann der staatliche Deal jedoch nicht überzeugen.

Er habe mit seinem japanischen Kollegen Fumio Kishida ein "endgültiges und unwiderrufliches Abkommen" erzielt, erklärte Minister Yun Byung Se nach einem Treffen mit Kishida am Montag in Seoul.

Kishida fügte hinzu, Tokio biete eine Entschädigung von insgesamt einer Milliarde Yen (7,59 Millionen Euro) für die Zwangsprostituierten an. Überdies drücke Regierungschef Shinzo Abe gegenüber den Opfern eine "Entschuldigung und Reue vom Grunde seines Herzens" aus. Die japanische Regierung fühle sich verantwortlich, sagte Kishida. Über den Wortlaut der Erklärung war lange gerungen worden.

Streit behinderte Beziehung der beiden Länder
Der Streit um die euphemistisch "Trostfrauen" genannten Frauen war bisher das größte Hindernis für eine Verbesserung der Beziehungen beider ostasiatischer Staaten. Beide Seiten einigten sich auf die Einrichtung eines neuen Fonds zur Unterstützung der Opfer. Japan erkenne seine Verantwortung an. Regierungschef Shinzo Abe werde den Frauen eine aufrichtige Entschuldigung zum Ausdruck bringen, hieß es.

Die Zahl der vor allem aus Korea und China stammenden "Trostfrauen" wird von Historikern auf bis zu 200.000 geschätzt. Seoul wirft Tokio vor, ihr Schicksal zu ignorieren und begangene Kriegsgräuel zu verschleiern. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye hatte sich deshalb seit Beginn ihrer Amtszeit Anfang 2013 zunächst geweigert, Abe zu bilateralen Gesprächen zu treffen.

Opfer: "Wir sind nicht zufrieden"
Südkorea forderte jahrelang eine förmliche Entschuldigung Tokios für die Zwangsprostitution sowie Entschädigung für die betroffenen Frauen. Japan vertrat dagegen lange die Haltung, der Streit sei mit einer Einigung auf Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen im Jahr 1965 beigelegt worden. Die Opfer der Sexsklaverei leiden bis heute, für viele ist es sogar bereits zu spät: Von den Südkoreanerinnen leben heute nur noch 46.

Für sie ist der zwischen den beiden Regierungen nun ausgehandelte Deal ein schaler Sieg. "Wir sind nicht zufrieden", sagte die 88 Jahre alte Yoo Hee-Nam in Seoul. Mancher in Seoul ist gar empört, dass die eigene Regierung sich bereiterklärt habe, das Thema nie wieder aufzubringen. Immerhin ließ der japanische Premier Abe wissen, dass er seine "Entschuldigung" zum Ausdruck bringe. So klar haben die Opfer das von Abe noch nicht gehört. Von jenem Mann, dem vorgeworfen wird, Japans brutale Vergangenheit beschönigen und die Geschichte umschreiben zu wollen. Doch mancher in Südkorea bleibt skeptisch.

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