Do, 19. Juli 2018

Gaudi im Gatsch

04.11.2015 12:08

"WRC 5": So spielt sich die neue Rallye-Simulation

Rennspiel-Fans, die gerne mit PS-strotzenden Boliden über Staub- und Gatschpisten rasen, haben mit "WRC 5" Gelegenheit, ihrem Hobby am heimischen Bildschirm nachzugehen. Das Spiel zur Rallye-Weltmeisterschaft WRC (World Rally Championship) schickt Spieler in Gestalt ihrer Idole auf insgesamt 13 Rallyes durch 14 Länder. Wie sich das spielt, hat krone.at getestet.

Für Fans des Rallyesports ist "WRC 5" dank Originallizenz ein Fest. Das Game entführt sie in Gestalt von Rallye-Profis wie Sébastien Ogier, Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen vom heuer bereits zum dritten Mal in Folge als Herstellermeister gewürdigten Volkswagen-Motorsport-Team auf Rallye-Schauplätze auf der ganzen Welt und lässt sie in die Handschuhe ihrer Helden schlüpfen.

Für optische und fahrerische Abwechslung ist dank 13 verschiedener Rallyes, die den Spieler in insgesamt 14 Länder führen, gesorgt. Monte Carlo, Schweden, Argentinien, Polen, Australien - landschaftlich sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein, zumal die Rallyes sich während ihrer einzelnen Etappen auch intern unterschiedlich spielen.

Nette Wettereffekte, viele Spielmodi
Erfreulich: Wettereffekte sowie wechselnde Tageszeiten sorgen dafür, dass vertraute Strecken auch bei wiederholtem Antritt optische Abwechslung bieten. Und dank einer Vielzahl von originalen Teams und Fahrern - nicht nur aus der WRC-Königsklasse, sondern auch aus den Klassen WRC 2 und J WRC - schöpft man auch bei Fahrern und Fuhrpark aus dem Vollen.

Vielfältig auch die Spielmodi. Neben der Meisterschaft, in der alle Rallyes der Saison gefahren werden, kann der Spieler im Karriere-Modus seinen eigenen Nachwuchs-Fahrer erstellen und sich nach oben arbeiten, in schnellen Rallyes und Wertungsprüfungen eigene Wunsch-Bewerbe zusammenzimmern, in der Rallye-Schule fahren lernen - und im Mehrspielermodus wahlweise lokal oder im Internet gegen andere Fahrer antreten.

Fahrverhalten: Nicht Fisch, nicht Fleisch
So üppig der Umfang von "WRC 5" auch ist, im Test überzeugte das Game nicht immer. Das Fahrverhalten beispielsweise hat man zwischen Arcade und Simulation angesiedelt, was die Gefahr birgt, Anhänger beider Lager zu verärgern. Arcade-Fans könnte das Rallye-Game mit seinem ausgeklügelten Schadensmodell zu komplex sein, Simulations-Puristen hingegen ist es womöglich zu wenig realistisch. Wer sich nicht zu einem der beiden Lager zählt, könnte freilich auch Freude an der zugänglichen, aber nicht völlig unrealistischen Fahrphysik haben.

Kompromisse verlangt "WRC 5" dem Spieler auch bei der optischen Aufmachung ab. "WRC 5" ist zwar nicht hässlich und vermag durch seine hübschen Licht- und Wettereffekte hie und da optisch durchaus zu entzücken. Man merkt dem Game aber an, dass es kein reines Next-Gen-Spiel ist, sondern auch noch auf der alten Konsolengeneration läuft - zum Beispiel an aufpoppenden Dingen am Streckenrand und einem geringeren Detailgrad, als man ihn bei Konkurrenten wie "Forza" oder "Driveclub" zu sehen bekommt.

Gelegentliche Framerate-Einbrüche
Dabei kommt es trotz nicht wirklich berauschender Optik selbst auf der PS4 immer wieder mal zu Einbrüchen in der Bildrate. 30 Bilder pro Sekunde werden zwar in den allermeisten Fällen stabil gehalten, gelegentliche Performance-Einbrüche nerven aber trotzdem.

Schadensmodell gut gelungen
Gut gefallen haben uns spielerische Details - etwa das Schadensmodell und dessen Implementierung in den einzelnen Spielmodi. So muss der Spieler bei mehrere Etappen langen Rallyes beispielsweise mit Reparaturzeit-Kontingenten auskommen und sich zwischen den einzelnen Rennen überlegen, welche Komponenten seines Boliden er sofort reparieren muss und was möglicherweise noch warten kann.

Werden falsche Teile repariert, kann das gravierende Auswirkungen haben. Schrottet man beispielsweise während einer Rallye die Schaltung, kann man fortan nur mehr mit einem bestimmten Gang weiterfahren - und den Bewerb angesichts der Erfolgsaussichten mit einem Gang im Grunde gleich neustarten.

Kleines Manko: Das Schadensmodell lässt den Spieler defekte Teile zwar spüren - etwa durch eine kaputte Schaltung oder einen Drall in der Lenkung -, es schießt hie und da aber auch über das Ziel hinaus. Beispielsweise, wenn eine kleine Bodenunebenheit oder ein Stein gleich zu Schäden am Auto führen.

Künstliche Gummiband-Intelligenz
Einen durchwachsenen Eindruck hinterließ im Test die künstliche Intelligenz der rivalisierenden Fahrer. Auf der Strecke ist man zwar üblicherweise ohnedies allein unterwegs, am Ende eines Rennens offenbart die Zeittabelle aber, dass die computergesteuerten Fahrer nach dem Gummiband-Prinzip fahren. Fährt man gut, liegen die nächstbesten KI-Fahrer meist nicht weit hinter einem. Fährt man schlecht, ist der Abstand zum nächstbesseren KI-Fahrer selbst bei katastrophalen Läufen meist nicht allzu groß.

Lästige Beifahrer, kein Splitscreen
Im Rallyesport notwendig, aber im Spiel suboptimal gelöst: die Beifahrer, die den Spieler mit Streckeninformationen versorgen. Zum einen klingt ihr Gerede ziemlich künstlich, ein wenig, als hätte man einen Sprachassistenten à la Siri am Beifahrersitz sitzen, zum anderen kommentiert dieser künstliche Beifahrer kleinere Fahrfehler immerzu mit teils penetranten Phrasen wie "Autsch!" oder "Alles OK?". Das mag anfangs noch lustig sein, nervt aber nach kurzer Zeit.

Noch ein Wort zum lokalen Mehrspielermodus: Wer sich hier Splitscreen-Rennen mit Freunden erhofft, könnte von "WRC 5" enttäuscht werden. Der Mehrspielermodus ist nämlich eher als "Hotseat"-Multiplayer zu verstehen, bei dem die Spieler nacheinander an die Reihe kommen und versuchen, sich zeitlich zu unterbieten.

Fazit: "WRC 5" ist ein umfangreiches Rallye-Game, das Fans dieser Art des Motorsports durch die in der Originallizenz inbegriffenen Fahrer, Strecken und Boliden erfreuen dürfte. Strecken- und Modi-Auswahl können sich sehen lassen und das Schadensmodell arbeitet weitgehend nachvollziehbar. Leider verhindern Schnitzer wie die Framerate-Einbrüche, die aufpoppende Streckenvegetation, die undurchsichtige KI, der fehlende Splitscreen-Multiplayer und das inkonsistente Fahrverhalten, dass das Game auch bei jenen Spielern punktet, die keine bekennenden Rallye-Fans sind.

Plattform: PC, PS3, PS4 (getestet), Xbox 360, Xbox One
Publisher: Bigben Interactive
krone.at-Wertung: 6/10

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