So, 21. Oktober 2018

Spätes Geständnis

23.09.2015 17:36

Terror-Prozess: Vier Jahre Haft für IS-Beteiligung

Ein Islamist, der sich als Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat betätigt hatte, ist am Mittwoch in Wien zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der Schöffensenat ging davon aus, dass der 33 Jahre alte Caner Y. seit Sommer des Vorjahres als Schleuser für kampfbereite IS-Sympathisanten fungiert und für diese Reisen Richtung Syrien organisiert hatte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

In der Anklage wurde Caner Y. vorgeworfen, zumindest zehn Tschetschenen an die türkisch-syrische Grenze befördert zu haben, um sie anschließend auf das Territorium des IS zu schleusen, wo sie sich dem bewaffneten Dschihad anschließen wollten. Dass der 33-Jährige die Ideologie der Terrormiliz teilte, ging aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht zuletzt daraus hervor, dass bei zwei Hausdurchsuchungen in seiner Wohnung jeweils umfangreiches IS-Propagandamaterial sichergestellt werden konnte. Auch die Auswertung seiner Handys förderte entsprechendes Beweismaterial zutage.

Darüber hinaus hatte der gebürtige Türke, der seit Jahren in Österreich lebt und zuletzt in einer Favoritner Bäckerei gearbeitet hatte, dem IS Bargeld, Kleidung, Autos und Mobiltelefone zur Verfügung gestellt.

Erst geleugnet, dann Geständnis abgelegt
Caner Y. blieb bei der Verhandlung zunächst bei seiner leugnenden Verantwortung, die er seit seiner Festnahme im Februar aufrechterhalten hatte. Nach eineinhalbtägiger Verhandlung und stundenlangen Befragungen legte er am Mittwochnachmittag dann doch ein zumindest formales Geständnis ab. Dem waren eindringliche Ermahnungen der vorsitzenden Richterin Minou Aigner vorausgegangen, die dem 33-Jährigen mehr oder weniger unverhohlen eine langjährige Haftstrafe androhte, sollte es zu einem Schuldspruch kommen.

"Denken Sie an Ihre drei Kinder", gab die Vorsitzende zu bedenken. So gelang es ihr, den Angeklagten weichzukochen. "Ich bedanke mich bei Ihnen, Frau Rat, dass Sie mich gewarnt haben", sagte Caner Y., bevor er sich zu einer Beratung mit seinem Verteidiger Wolfgang Blaschitz zurückzog. Nach einer rund 20-minütigen Besprechung kam dann das späte Schuldeingeständnis zu sämtlichen Anklagepunkten, auch wenn es sich dabei bloß um ein Lippenbekenntnis handelte.

"Ich bereue es, dass ich mich mit solchen Menschen eingelassen habe", sagte Caner Y. "Können wir davon ausgehen, dass Sie in diese Richtung nie wieder in Erscheinung treten werden?", wollte die Richterin wissen. "Ja. Ich hab' mich entschieden", sicherte der Angeklagte künftiges Wohlverhalten zu. Daraufhin hatte das Gericht keine weiteren Fragen mehr. Sämtliche zur Verhandlung geladenen Zeugen wurden im Hinblick auf die formal gegebene geständige Verantwortung des Angeklagten mit Einverständnis der Staatsanwältin und des Verteidigers entlassen.

"Wegen meinem Glauben will ich sitzen bleiben"
Bei der Urteilsverkündung weigerte sich der 33-Jährige dann zunächst auch noch, sich - wie in der Strafprozessordnung vorgesehen - zu erheben. "Wegen meinem Glauben will ich sitzen bleiben", sagte er der Richterin. Diese brachte ihn mit den Worten "Geben Sie sich einen Ruck! Verlassen Sie sich drauf, im Islam ist das kein Problem, aufzustehen" doch noch dazu, dem Gesetz genüge zu tun. Nach der Rechtsbelehrung erbat sich der Mann Bedenkzeit, Staatsanwältin Stefanie Schön gab zum Urteil vorerst keine Erklärung ab.

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Zittern bis zuletzt
Hamilton startet auch in Austin aus der Pole
Motorsport
Erst Tor, dann out
Arm gebrochen! Messi fällt für den „Claisco“ aus
Fußball International
Spanier wundern sich
„Scheißdreck“-Sager: Bernat-Berater kontern Hoeneß
Fußball International
Deutsche Bundesliga
Bremen nach 2:0 auf Schalke vorerst Zweiter
Fußball International
Nur 1:1 gegen Genoa
Ronaldo trifft - Juve strauchelt trotzdem erstmals
Fußball International
Mbappe trifft
PSG-Wahnsinn! Zehnter Sieg im zehnten Ligaspiel
Fußball International
Nach Skandal-PK
„Super Zeichen“ - Kimmich verteidigt Bayern-Bosse!
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.