Große Engpässe

¿Aussterbende¿ Berufe haben am Theater Zukunft

Oberösterreich
21.05.2006 21:03
„Aussterbende“ Gewerbe haben eine Zukunft, von der viele träumen - am Theater. „Herrenschneider sind selten geworden, Modisten gibt es fast gar nicht mehr“, schildert Landestheater-Intendant Michael Klügl die größten Engpässe. Wer den goldenen Boden des Handwerks im Theater sucht, muss jedoch flexibel sein.

Raimund Steininger, Vorstand der Herrenschneider am Linzer Landestheater, leitet eine Abteilung von acht Leuten - darunter eine junge Frau, die ihr Handwerk bei ihm gelernt hat und bleiben konnte. Heuer bildet Steininger wieder einen Lehrling aus, diesmal einen Burschen: „Er hat beste Chancen, nicht nur bei uns. Alle Theater im deutschsprachigen Raum suchen laufend Herrenschneider.“ Wer örtlich flexibel ist, kann dabei schnell Karriere machen.

In Oberösterreich gibt es zwar eine Berufsschule für Herrenschneider in Ried, aber kaum noch Ausbildungsbetriebe. Gar keine mehr gibt es für Modisten. Ihre Berufsschule, ebenfalls in Ried, wurde vor zehn Jahren geschlossen, die Innung hat sich wegen Mitgliedermangels aufgelöst. Roswitha Burgstaller, die allein alle Kostüm-Hüte am Landestheater macht, ortet Berufsnachwuchs in Kunstgewerbeschulen: „Es gibt dort Mädchen, die interessiert und kreativ sind, aber handwerklich sind sie auf das angewiesen, was sie sich selbst beibringen können. Da geht viel verloren.“

Auf der Suche nach selten gewordenen Handwerkskünsten sind die Theater aber auch bei ihren Zulieferern. So vertrauen Bühnentechniker für die Kulissenmechanik nach wie vor auf die Qualität von Hanfseilen. Es gibt aber kaum noch Seiler, die sie herstellen.

 

 

 

Foto: Erich Petschenig

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