BSE-Fall

¿Da geht ein Stück von einem selbst¿

Oberösterreich
14.05.2006 21:45
„Wie sie alle unsere Tiere aus dem Stall geholt haben, das macht einen fertig. Da geht ein Teil von einem selbst“, sagt Lambert Barth (38) aus Bad Kreuzen im oberösterreichischen Mühlviertel, der Bauer, an dessen Kuh „Moni“ nach der Schlachtung BSE festgestellt wurde. Das Todesurteil auch für die 40 anderen Rinder auf seinem Hof. Erst im Labor konnte festgestellt werden, dass kein einziges von ihnen erkrankt war.

„Moni“, der vierte BSE-Fall in Österreich, ist damit ebenso ein ungeklärter Einzelfall wie die drei früheren. Veterinäre nennen es „autochthone“ Erkrankungen ohne erkennbare äußere Ursachen. Für die Nachbarn, die Behörden und die Konsumenten bedeutet das immerhin, dass keine weitere Gefahr besteht. „Unser Sicherheitssystem hat sich bewährt. Es wurde kein Fleisch des erkrankten Tieres verarbeitet, Stall und Schlachthof wurden desinfiziert“, gibt Veterinärdirektor Karl Wampl Entwarnung: Niemand hat etwas zu befürchten.

Schwacher Trost...
Nur ein schwacher Trost für Lambert Barth und seine Frau Maria (36), die ihren typischen Mühlviertler Grünlandbetrieb, das „Freihofer“-Gut, mustergültig und ökologisch geführt haben und nun vor dem Nichts stehen - auch wenn sie für den materiellen Verlust nach Gesetz entschädigt werden. „Wir haben alle unsere Rinder selbst gezüchtet und aufgezogen, jede Kuh, jeder Stier und jedes Kalb hatte einen Namen. Da stehst du mit Tränen dabei, wenn sie weggebracht werden“, erzählt Barth: „Meine Eltern und meine Frau sind auch völlig fertig. So was mitzuerleben, wünscht du nicht dem ärgsten Feind.“

Das Rote Kreuz schickte der gebrochenen Familie eine Betreuerin seines psychologischen Krisendienstes, auch Bürgermeister Viktor Sigl, der zugleich Landesrat für Wirtschaft ist, leistete moralischen Beistand. Schlimmstes Gefühl: die Fassungslosigkeit. „Dass du nicht weißt, wie das hat passieren können“, wie Maria Barth sagt.

Neues Leben im verwaisten Stall
Aufgeben will das Ehepaar, das mit ganzem Herzen an der Viehwirtschaft hängt, bei aller momentanen Verzweiflung nicht. „Nächste Woche, wenn der Stall freigegeben ist, kaufen wir zehn neue Rinder“, denkt Lambert Barth am Sonntag, keine 24 Stunden nach dem Abtransport seiner Tiere, schon daran, wieder Leben in seinen verwaisten Stall zu bringen - auch wenn ihm klar ist, dass der Neuanfang zäh wird: „Es wird fünf oder sechs Jahre dauern, bis alles wieder so wird, wie es bis zum Samstag war.“

Agrar-Landesrat Josef Stockinger versprach unbürokratische Hilfe beim Wiederaufbau des Betriebs: „Es sind tüchtige Leute, die es schuldlos getroffen hat.“

 

 

Foto: Horst Einöder

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