22.06.2015 13:30 |

Steht ruck, zuck!

Autos sollen künftig zum Bremsen Anker werfen

Umgangssprachlich kann man "bremsen" auch mit "den Anker werfen" umschreiben. Schwedische Ingenieure haben das wörtlich genommen - und wollen damit in die Serienproduktion gehen.

Es klingt wie ein Scherz, könnte aber künftig Leben retten: Bei dem neuen Bremssystem, das der schwedische Automobilzulieferer Autoliv entwickelt hat, wirft das Auto einen Anker. Der saugt sich am Asphalt fest und bringt das Fahrzeug so um 40 Prozent schneller zum Stehen, versprechen die Erfinder.

Die so genannte Torricelli-Bremse - benannt nach dem Physiker Evangelista Toricelli aus dem 17. Jahrhundert - soll die normale Bremse in Notfällen unterstützen. Erkennt der automatische Notbremsassistent, dass sich das Auto auf Kollisionskurs befindet, fällt innerhalb von 0,1 Sekunden eine 0,3 Quadratmeter große Stahlplatte unter dem Auto auf die Straße. Die Platte erzeugt ein Vakuum, saugt sich an der Straße fest und erzeugt so eine Anpresskraft von 15.000 Newton. Weil die Platte mit dem Auto verbunden ist, bremst sie das Fahrzeug ab.

Die neue Technik reduziert nach Unternehmensangaben den Bremsweg um bis zu 40 Prozent. Außerdem entfaltet die Bremse ihre Wirkung auf trockenem ebenso wie auf nassem oder vereistem Asphalt. Weil der Bremsanker bei Geschwindigkeiten bis zu 70 km/h die größte Wirkung entfaltet, bietet sich das System vor allem in einem städtischen Umfeld an.

Der Schritt in die Serie scheint noch etwas weiter entfernt, auch weil die Bremse so effektiv funktioniert, sagt Autoliv-Chef Ola Boström: "Das Haupthindernis für Autohersteller, die Torricelli-Bremse zu implementieren, ist, dass sie zu effizient ist." Weil die Bremskraft so stark ist, müssten andere Sicherheitssysteme im Auto, wie beispielsweise Gurtstraffer, ebenfalls aktualisiert werden.

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