Wirbel um TV-Show

BBC will “Hunger Games” mit Arbeitslosen drehen

Ausland
31.05.2015 07:54
In Großbritannien sorgt eine neue TV-Show für Aufregung, in der ausschließlich Arbeitslose und Geringverdiener gegeneinander antreten sollen. Besonders pikant: Ausgerechnet die auf ihr seriöses Image bedachte BBC will die von Kritikern bereits als "Hungerspiele" bezeichnete Show drehen und ausstrahlen.

"Britain's Hardest Grafter" nennt sich die BBC-Show, bei der 25 Teilnehmer über 18 Jahren, die im Jahr weniger als 15.500 britische Pfund (etwa 21.000 Euro) zum Leben zur Verfügung haben, gegeneinander um den Sieg "wettarbeiten". Die Kandidaten dürfen trotz Schulabschluss oder Ausbildung entweder nur einen Job haben, bei dem sie höchstens den Mindestlohn verdienen, oder auf der Suche nach einer Stelle und/oder abhängig von Sozialhilfe sein, berichtet die "Welt".

"In jeder Folge müssen sich die Kandidaten in verschiedenen Tests und Aufgaben beweisen", teilte die Produktionsfirma mit. Wahrscheinlich sei, dass eine Lagerhalle extra so umgebaut wird, dass dort Fabrikjobs nachgespielt werden können. Am Ende werde nur ein Arbeiter übrig bleiben, der ein Jahresgehalt ausgezahlt bekomme - sein Jahresgehalt, also eben auch nur 15.000 britische Pfund.

BBC: "Seriöses soziales Experiment"
Die BBC verteidigt das Konzept als "seriöses soziales Experiment", um die Auswirkungen von Arbeit auf das Leben eines Menschen darzustellen und den Niedriglohnsektor in den Fokus der Berichterstattung zu rücken. So wolle man dem Publikum unter anderem ein anderes Bild des "Blue Collar Worker" zeigen - benannt nach dem typischen blauen Arbeitsoverall, den Berufstätige hauptsächlich in der Industrie und in Fabriken tragen. Jobs in der Branche sind in Großbritannien nicht besonders beliebt, Bezahlung und Bedingungen sind schlecht. Die Kandidaten könnten deshalb in der Sendung nun "ihren wahren Wert zeigen", so die britische Rundfunkanstalt.

20.000 Unterschriften gegen den "Armutsporno"
Kritiker sehen das anders: Der BBC gehe es hauptsächlich um Einschaltquoten, erklärt James Pauley, Initiator einer Onlinepetition gegen "Britain's Hardest Grafter", die bereits von fast 20.000 Menschen unterschrieben wurde, gegenüber der britischen Zeitung "Independent": "Probleme wie Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung sollten nicht zu einer billigen Fernsehshow gemacht werden." Man nutze damit die sozial schwächsten Menschen aus.

Auch auf Twitter erntet die BBC scharfe Kritik an ihren Plänen. "Armutsporno" ("Poverty Porn") und "Hungerspiele" (in Anlehnung an die Filmreihe "Die Tribute von Panem") sind bereits gängige Begriffe im Zusammenhang mit "Britain's Hardest Grafter". Andere bezeichnen die Show als "moderne Gladiatorenkämpfe" und sprechen von "einem neuen Tiefpunkt im britischen Fernsehen".

"Poverty Porn"-Konzept keine BBC-Erfindung
Die BBC hält trotz des Wirbels an ihren Plänen fest, die Dreharbeiten sollen demnächst starten. Mit dem "Poverty Porn"-Konzept sorgte übrigens bereits der britische Privatsender Channel 4 für Schlagzeilen. Im Jahr 2014 strahlte der Sender die Reality-Doku "Benefits Street" (dt. "Straße der Sozialleistungen") aus. Darin wurden sozial schwache Familien aus 13 Nationen ein Jahr lang ungefiltert in ihrem Alltag mit der Kamera begleitet. Der dokumentarische Wert blieb allerdings, so britische TV-Kritiker, auf Kosten von effekthascherischen Darstellungen auf der Strecke.

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