Es war ein Opfer, das die Ermittler des Landeskriminalamtes Tirol auf die Fährte des Zuhälter-Rings brachte. Die 19-jährige Rumänin wurde im August vergangenen Jahres von den Männern unter Vorspiegelung falscher Versprechen nach Innsbruck gelockt. In Tirol angekommen, schlug die knallharte Realität zu: zum Sex gezwungen und brutal ausgebeutet! Im Dezember nahm die Frau schließlich all ihren Mut zusammen und schaffte es, sich der Polizei anzuvertrauen.
Polizei rückte mit 100 Beamten an
Montag Früh klickten dann die Handschellen. Unterstützt von rund 20 Spezialkräften des Einsatzkommandos Cobra führten 80 Beamte des LKA fünf Hausdurchsuchungen im Großraum Innsbruck durch. Dabei konnten zunächst insgesamt vier Verdächtige festgenommen werden. Der Hauptbeschuldigte war da aber noch nicht dabei. "Dieser hielt sich zu diesem Zeitpunkt mit seiner Freundin in einem Seefelder Wellnesshotel auf, dort wurde er von Beamten in seinem Zimmer aufgegriffen", erklärt Chefermittler Christoph Hundertpfund im "Krone"-Gespräch. Ein weiterer Verdächtiger sei in Vorarlberg verhaftet worden. Zwei andere mögliche Mittäter würden sich derzeit in Rumänien aufhalten – nach ihnen werde intensiv gefahndet. Beim Großeinsatz wurden zudem Bargeld und Wertgegenstände im Wert von rund 40.000 Euro sichergestellt sowie drei Pkw konfisziert.
Mädchen meist aus ärmlichen Verhältnissen
Die Bande soll nicht nur die eingangs erwähnte 19-Jährige von Rumänien nach Tirol gelockt haben, sondern zumindest zehn bis 15 weitere. Ihre Vorgehensweise war laut Hundertpfund immer dieselbe: "Die angeworbenen Mädchen, die meist aus ärmlichen Verhältnissen stammen und in ihrem Heimatland kaum Zugang zu Bildung haben, wurden unter Vorspiegelung eines Liebesverhältnisses hierher gelockt. Ihnen wurde etwa die Ehe, der Bau eines Eigenheimes sowie die Gründung einer Familie in Aussicht gestellt." Nichts weiter als leere Versprechungen!
Junge Frauen an legale Bordelle vermittelt
Tatsächlich seien die Frauen an legale Bordelle vermittelt worden – die Beschuldigten hätten aber auch Haus- und Hotelbesuche bei Freiern organisiert. "Auf die Opfer wurde massiver Druck ausgeübt. Sie wurden bedroht und gezwungen, fast das gesamte Geld abzugeben. Und da den Frauen nur noch wenige Euro zum Leben blieben und sie noch dazu kein Deutsch sprechen, gerieten sie immer noch mehr in die totale Abhängigkeit der Männer", erklärt Hundertpfund weiter.
Innsbrucker Firma soll involviert gewesen sein
In die Machenschaften der Bande soll auch eine Innsbrucker Reinigungsfirma involviert gewesen sein. Diese soll in einigen Fällen Lohnauszahlungen an die Frauen getätigt haben, obwohl sie dort nie arbeiteten.
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