In Saus und Braus

BAWAG-Spekulant Flöttl lebt im Luxus

Österreich
30.03.2006 17:02
Die Suche nach dem flüchtigen "Hauptverantwortlichen" für den BAWAG-Skandal, Wolfgang Flöttl, seitens Interpol und internationaler Medien konzentriert sich zurzeit auf die Briteninsel Bermuda im Atlantik, nur knappe zwei Flugstunden von Manhattan entfernt. Dort residierte der in Österreich gebürtige Börsenspekulant jedenfalls noch bis vor kurzem in dem wohl exklusivsten Teil der einst britischen Kolonie in einem prachtvollen Landhaus zwischen den Besitzungen des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, New Yorks Bürgermeister Bloomberg und Bill Gates.

"Ich habe ihn hier noch vor wenigen Wochen in Bermuda-Shorts gesehen", berichtet der ehemalige österreichische Honorarkonsul Walter Küchler. Im Luxusbadeort Southampton, wo Flöttl einen Landsitz in den Sommermonaten bewohnte, ist inzwischen seine Frau Ann geortet worden. Wie sich herausstellt, steht das auf über 20 Millionen Dollar geschätzte Haus in ihrem Namen im Grundbuch.

In Kunstsammlerkreisen in New York sind polizeiliche Anzeige und Haftbefehl gegen Flöttl zurzeit Tagesgespräch. "Er war einer der Retter unseres Kunstmarktes", erklärte ein Sprecher des Auktionshauses Sotheby. Tatsächlich zählte der jetzt in Ungnade gefallene Mäzen in den 80er Jahren, als die Preise in den Keller fielen, zu den größten Käufern alter Meister. Auch in der Metropolitan Oper, wo Flöttl ständiger Gast war und großzügig spendete, herrscht Sympathie für ihn. "Er hat sein vieles Geld für gute Zwecke ausgegeben", heißt es. Dass heute die Mitglieder des Österreichischen Gewerkschaftsbundes dafür die Zeche bezahlen müssen, ist hierorts freilich nicht bekannt.

Auslieferungsverfahren könnte sich lange ziehen
Amerikanische Anwälte sind übrigens der Ansicht, dass sich ein eventuelles Auslieferungsverfahren gegen Flöttl lange hinziehen würde. "Sollte er sich in den USA oder auf Bermuda stellen oder gefasst werden, wird er aller Voraussicht nach nicht ausgeliefert", heißt es. Dabei wird in erster Linie auf Flöttls amerikanische Staatsbürgerschaft hingewiesen. Und zwischen Bermuda und Österreich besteht laut Auskunft österreichischer Diplomaten kein Auslieferungsabkommen.

Neue Dramatik in der "Causa BAWAG"
In Österreich unterschlagen sich unterdessen die Ereignisse: Seit Mittwochvormittag wird die BAWAG von einem zehnköpfigen Prüferteam der Finanzmarktaufsicht und der Nationalbank auf den Kopf gestellt. Mit diesem Großeinsatz sollen alle Beweisstücke in der "Karibik-Affäre" sichergestellt werden. 

In einem ersten Schwung hatte die Finanzmarktaufsicht ja schon kurz vor diesem überfallsartigen Einsatz Anzeige gegen den früheren Vorstand der BAWAG, den Aufsichtsratspräsidenten und gegen Flöttl jun. Erstattet.

Die Behörde möchte nun alle Register ziehen, um eine lückenlose Einsicht in die umstrittenen Deals zu bekommen und damit endgültig auch die Verantwortlichkeiten zu klären.

Story: Hans Janitschek, USA-Korrespondent Kronen Zeitung

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