Schrei nach Freiheit

Häftlings-Briefe aus Guantanamo veröffentlicht

Ausland
16.03.2006 12:00
Erstmals im vierjährigen Bestehen des US-Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba haben die US-Behörden den Brief eines Gefangenen veröffentlicht, in dem er seinen Selbstmord aus Verzweiflung über seine Lage ankündigt. Seit 2002 ist er in dem Lager inhaftiert. Alle Anträge telefonischen Kontakt mit seiner Familie zuzulassen oder ihm mehr Lesematerial zu geben, seien bisher abgelehnt worden.

Er habe keine andere Wahl, um die "Gerechten" in den USA dazu zu bringen, die Situation zu überdenken und "einen Moment lang mit sich selbst ehrlich zu sein", schrieb Jumah al-Dossari in dem Brief, den er kurz vor seinem Selbstmordversuch im vergangenen Oktober seinem Anwalt übergab.

Darin heißt es weiter, die Gefangenen seien verzweifelt und fühlten sich erniedrigt und unterdrückt. Er selbst sei seiner Heimat beraubt und gefoltert worden. "Wann wird diese Tragödie enden", fragt Dossari weiter, bevor er mit dem Appell an seinen US-Anwalt endet, die Welt über die "furchtbaren Qualen der Häftlinge" zu informieren.

Vor Selbstmordversuch Brief an Anwalt übergeben
Laut seinem Anwalt Joshua Colangelo-Bryan gab Dossari ihm den Brief während einer Unterredung in dem Lager, bevor er sich in einer "Pinkelpause" umzubringen versuchte. Colangelo-Bryan fand ihn mit aufgeschnittenen Pulsadern, aber noch lebend. Nach seinen Angaben war es der zwölfte Selbstmordversuch seines aus Bahrain stammenden Mandanten, seit ihn US-Soldaten in Pakistan gefangennahmen und nach Guantanamo brachten.

Laut Pentagon gehört Dossari dem Terrornetzwerk Al Kaida an. Man bestreitet, dass er misshandelt worden sei und ein Dutzend mal versucht haben soll, sich umzubringen. In Wirklichkeit habe er nur zehn Selbstmordversuche hinter sich.

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