Experten zweifeln

Haben Ungarn Impfstoff gegen die Vogelgrippe?

Ausland
16.03.2006 11:10
In Ungarn ist es die Sensation schlechthin. Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany führte mehrere ausgewählte Journalisten durch einen Pharmabetrieb bei Budapest und verkündete stolz: "Wir haben den ersten Vogelgrippe-Impfstoff für Menschen entwickelt." Doch weltweit zeigen sich die Pharma-Experten skeptisch - viele Mediziner halten die Aktion eher für einen Schmäh.

Der ungarische Ministerpräsident höchstpersönlich war an die Öffentlichkeit getreten und hatte die frohe Botschaft verkündet: "Endlich gibt es ein Mittel gegen die gefährliche Vogelgrippe." 

Den eingeladenen Journalisten wurden vieles geboten. Bei einer Tour durch den Pharmakonzern "Omninvest" durften sie die Ampulle mit dem angeblichen Wundermittel aus der Ferne bewundern. Selbst der Gesundheitsminister unseres Nachbarlandes stellte sich für weitere Tests mit dem Anti-H5N1-Mittel zur Verfügung. Zuvor hatte sich der Politiker die Arznei mit 100 anderen Freiwilligen selbst injizieren lassen. 

Experten bezweifeln Wirkung
Doch nach den ersten Meldungen aus Ungarn wächst jetzt die internationale Skepsis. Sowohl Experten der Weltgesundheitsorganisation als auch führende Mediziner in der EU bezeichnen in ersten Stellungnahmen "das ungarische Präparat als wirkungslos".

In österreichischen Expertenkreisen wird das ungarische Wundermittel höchst distanziert beurteilt. "Wie soll das funktionieren? Man kann den Impfstoff erst dann herstellen, wenn es eine Mensch-zu-Mensch-Infektion gibt", sagt Oskar Wawschinek von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit in Mödling. Auch für den Virologen Michael Kunze klingt einiges nach einem "schlechten PR-Gag".

Text: Michael Pommer und Mark Perry, Kronen Zeitung
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