Geisterstunde

Project Zero 3

Spiele
12.03.2006 18:54
Es gibt Spiele, die sollte man nicht im Dunkeln und schon gar nicht alleine spielen. Dann gibt es da noch "Project Zero 3". Ein Spiel, bei dem sich das Grauen selbst bei Tageslicht ganz allmählich und subtil heranschleicht, um dann mit voller Wucht dem Spieler einen gehörigen Schrecken einzujagen. Gelungener Survial-Horror aus Japan, der garantiert nichts für schwache Nerven ist.

Bei einem tragischen Unfall verliert Rei ihren Verlobten Yuu. Seitdem plagen die junge Frau Albträume, die sie immer wieder in das "Haus des Schlafes" führen, in dem die Seelen zahlreicher Toten umherirren und Rei nach ihrem Leben trachten. Im Wachzustand versucht Rei mit ihrer Freundin Miku und dem Journalisten Kei dem dunklen Geheimnis des Hauses auf den Grund zu gehen. Schon bald jedoch verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Albtraum - und der "Fluch der Tätowierung" breitet sich aus.

Doch im Gegensatz zu den üblichen Genre-Vertretern, wie "Silent Hill" oder "Resident Evil", stehen der jungen Frau und ihren Begleitern keine Waffen zur Verfügung. Einzig und alleine eine alte Kamera, die Camera Obscura, dient als Mittel zur Verteidigung. Mit magischer Energie geladen, vermag es der Fotoapparat die Seelen der Geister auf Film zu bannen. Zudem warnt die Kamera durch eine rote Warnleuchte vor in der Nähe befindlichen Geistern. Blinkt die Kamera bläulich, so befinden sich uns freundlich gesonnene Geister oder andere Erscheinungen in der Nähe, die zu fotografieren sich lohnt.

Der Spieler steuert nun in einer 3rd-Person-Perspektive durch die nicht gerade einladenden Räumlichkeiten des Hauses und versucht durch das Fotografieren ungewöhnlicher Ereignisse und das Finden von Hinweisen dem Rätsel des Hauses auf die Spur zu kommen. Immer wieder steht Rei jedoch vor einem Hindernis, bei dem ihr nur Miku und Kei weiterhelfen können. Während die zierliche Miku beispielsweise durch schmale Gänge kriechen kann, so ist Kei der Mann fürs Grobe, der Hindernisse einfach aus dem Weg schiebt. Auch die Fähigkeiten im Umgang mit der Camera Obscura unterscheiden sich.

Steht einer von den dreien plötzlich vor einem Geist, dann heißt es schnell handeln, bevor dieser uns packt und kostbare Lebensenergie entsaugt. Per Knopfdruck zückt der Spieler die Kamera und muss den Geist über den Sucher ausfindig machen. Keine leichte Sache, wenn man bedenkt, dass Geister auch gerne mal durch Wände gehen, um einem in den Rücken zu fallen. Je näher der Geist kommt, umso stärker lädt sich die Kamera auf und desto größer ist der verursachte Schaden. Mit den so gewonnenen Punkten lässt sich die Kamera im Lauf des Spiels upgraden. Zudem lassen sich wertvolle Erweiterungen, wie ein stärkerer Blitz oder eine automatische Ziel-Erfassung, im Haus finden.

Grafisch ist "Project Zero 3" äußerst stimmungsvoll gestaltet - nicht zuletzt aufgrund der packenden Zwischenszenen. Ein gelungenes Spiel aus Licht und Schatten sowie eine fixe Kameraperspektive, die in feinster Hitchcock-Manier schräge Ansichten liefert, sorgen von Anfang an für ein schauriges Kribbeln auf der Haut. Ganz zu schweigen von den Kinderlied summenden Mädchen im Kimono, die immer wieder urplötzlich vor einem auftauchen und einen höflich aber bestimmt darauf aufmerksam machen, dass man besser nicht hätte herkommen sollen. Das typische Horror-Sound-Design erledigt dann den Rest und lehrt den Spieler endgültig das Fürchten. 

Doch wie in klassischen Horrorfilmen, in denen der Protagonist anstatt zu flüchten lieber den Unheil verkündenden Geräuschen nachgeht, so kann auch der Spieler in "Project Zero 3" bald das Gamepad nicht mehr aus der Hand legen. Die gelungene Story, die sich ganz allmählich entfaltet und immer weitere Kreise zieht, lässt den Nervenkitzel suchenden Gamer so schnell nicht mehr los und zieht ihn unweigerlich in ihren Bann.

Fazit: Selten war Gruseln schöner. Wer den subtilen Horror von Filmen wie "Ju-On" oder "Dark Water" mag, der wird "Project Zero 3" lieben. In Sachen schauriger Atmosphäre macht so schnell keiner etwas diesem Spiel vor. Einzig die zum Teil recht träge Steuerung, überflüssig zu bewältigende Wege, etliche Tippfehler in der Übersetzung oder die stellenweise recht simplen Rätsel trüben den ansonsten sehr guten Gesamteindruck ein wenig. Dennoch: Wer gerne freiwillig und viel zittern möchte, der ist hier bestens aufgehoben und sollte zugreifen. 

Plattform: PS2
Publisher: Take2
Krone.at-Wertung: 86%

von Sebastian Räuchle

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