Für den „Akt der Leidenschaft“ hat sich Chris Jagger mit seinen Mannen von „Atcha!“ ordentlich ins Zeug gelegt. Die 12 Tracks ihres dritten gemeinsamen Albums watscheln allesamt im saftigen Roots-Rock daher. Das bedeutet bluesige Gitarrenriffs und rockige Grooves, gepaart mit Elementen aus Folk und Country. Da kommt weder die Stromgitarre noch die Ziehharmonika zu kurz.
Die Brüder besingen den Blues
Für das Duett mit Mick hat Chris Jagger ein Thema ausgewählt, mit dem beide gut zu Recht kommen. Der Song heißt „The DJ Blues“ und die klare Message an den Plattenaufleger lautet: „Why don’t you play some Goodtime-Blues?“ Die Stimmen der Brüder klingen zwar nicht ähnlich, jedoch pflegen beide dieselbe Art zu Singen. Also lang gezogene Vokale, abgehackte Synkopen und immer recht kräftig raunzen! Zwischendrin drängt sich Mick mit einem exzellenten Mundharmonika-Solo in den groovigen Soundteppich.
Coole Soundmischung auf "Act of Faith"
Als kontrastreiche Instrumente zu den knackigen Gitarren benutzen „Chris Jagger’s Atcha!“ auf dem ganzen Album die gute alte Ziehharmonika, viel Ge-Orgel und ab und an auch die klassisch-irische Fiddel. Der zweite Track „Got me where you want“ zum Beispiel wird gänzlich von einer „Quetschn“ angetrieben. Als Verstärkung holte sich Chris Jagger hier die in den 80ern bekannte Sängerin Sam Brown (Hitsingle „Stop!“), die ihre Duett-Qualitäten schon beim mittlerweile verstorbenen Ex-Beatle George Harrison unter Beweis stellte.
Chris Jagger - der bessere Bruder?
Auf dem Track „Rain, Rain“ gibt wiederum die Fiddel gemeinsam mit der Akustik-Gitarre den Ton an. Das klingt schwer nach den Dubliners und hat viel mit traditioneller irischer Musik gemein, obwohl auch ein latenter Ethno-Touch mitschwingt. Chris Jagger ist halt doch mehr der weltoffene Europäer als sein Bruder Mick, dessen Songs vor allem von amerikanischen Einflüssen geprägt sind.
Sounds von shuffelig bis total schräg
Wer auf die Rolling Stones steht, wird sich dennoch mit dem Song „On the Road“ anfreunden. Hier geht Chris Jagger schneller und rockiger zur Sache. Mit „She’s a jewel“ wird’s kurz vorm Schluss noch einmal richtig shuffelig. Wieder treibt das Akkordeon an und das Ganze klingt, als würde Eric Burdon mit Hubert von Goisern einen alten Saloon-Klassiker wiederbeleben. Kurzum: Der Jagger kann’s – und zwar äußerst vielseitig, mit einem bluesigem Hang zum schrägen Genre-Mix.
9 von 10 „Quetschn“ mit dem gewissen Jagger-Effekt
PS.: Auf der Website der Plattenfirma SPV gibt’s alle Songs als 30-Sekunden-Sample zum Reinhören. Den Link findest du in der Infobox.
Von Christoph Andert
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.