




Dichter Rauch, ein brennender Güterzug, eingeschlossene Passagiere – am Flughafen Wien wurde der Katastrophenfall geprobt.
Schwarzer Rauch frisst sich durch den Bahntunnel. Ein Güterzug steht in Flammen. Nur wenige Meter entfernt sitzt ein Personenzug mit 50 Passagieren fest. Panik, Dunkelheit, Atemnot – und die bange Frage: Wie kommen die Menschen hier lebend heraus? Gegen 2 Uhr früh schrillt am Samstag der Alarm. Feuerwehr, Polizei und Flughafenmannschaften rücken aus. Was jetzt folgt, ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Zum Glück ist es kein echter Katastrophenfall. Doch das Szenario ist erschreckend realistisch: In der Nacht auf 7. November probt der Flughafen Wien den Ernstfall – und unterzieht seine gesamte Einsatzorganisation einem spektakulären Härtetest.





Wenn jede Sekunde zählt
Die Einsatzkräfte sichern den Gefahrenbereich im Tunnel und beginnen mit der Evakuierung des Personenzugs. Die Passagiere müssen aus dem verrauchten Bereich in Richtung der Bahnsteige gebracht werden. Dort warten bereits die nächsten Helfer: Mitarbeiter aus Terminalbetrieb, Airport Security und Austrian Airlines sowie die Polizei übernehmen die Betreuung und bringen die Betroffenen sicher an die Oberfläche. Besonders eindrucksvoll: Die Passagiere sind keine Puppen oder Statisten von außerhalb. Freiwillige Mitarbeiter und Angehörige der Flughafen-Community schlüpfen in die Rolle der Reisenden. So wird aus einer theoretischen Einsatzbesprechung ein möglichst wirklichkeitsnaher Härtetest.
Ein Zusammenspiel über alle Grenzen hinweg
Doch die Rettung der Menschen ist nur ein Teil der Herausforderung. Denn ein derartiger Zwischenfall hätte auch Auswirkungen auf den gesamten Flughafenbetrieb. Welche Flugzeug-Abstellpositionen könnten betroffen sein? Wie müssen Abläufe angepasst werden? Und wie gelangen wichtige Informationen rasch zu den richtigen Stellen?
Auch diese Fragen werden durchgespielt. Im Airport Incident Response and Operations Center (AIROC) laufen die Fäden zusammen. Dort geht es darum, Entscheidungen zu koordinieren, Informationen zu bündeln und mögliche Auswirkungen auf den Flugbetrieb im Blick zu behalten.
Rund 260 Teilnehmer aus 18 Organisationen und Bereichen sind eingebunden, darunter 125 Einsatzkräfte. Feuerwehr, Polizei, Flughafenabteilungen und weitere Einsatzorganisationen müssen Hand in Hand arbeiten. Eine logistische Herausforderung, bei der Kommunikation und klare Zuständigkeiten entscheidend sind.
Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit
„Die Sicherheit von Passagieren sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat am Flughafen Wien höchste Priorität. Im Ernstfall kommt es darauf an, dass die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten und über Organisationsgrenzen hinweg funktioniert“, unterstreicht Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG.
Auch sein Vorstandskollege Günther Ofner zieht eine positive Bilanz: „Sicherheit hat am Airport höchste Priorität. Im Einsatzfall muss die Zusammenarbeit zwischen dem Flughafen, Standortpartnern, Einsatzorganisationen und Behörden reibungslos funktionieren. Das hat sich bei dieser Notfallübung bestätigt.“
Aus Fehlern lernen, bevor es ernst wird
Nach dem Ende des simulierten Großeinsatzes beginnt die ebenso wichtige Nacharbeit. Die Abläufe werden gemeinsam ausgewertet, mögliche Schwachstellen aufgezeigt und Erkenntnisse in die weitere Optimierung der Notfall- und Einsatzpläne übernommen. Denn eine Übung wie diese soll vor allem eines bewirken: Dass im wirklichen Ernstfall jeder Handgriff sitzt. Wenn in einem Tunnel Rauch aufsteigt, Menschen in Gefahr sind und am Flughafen gleichzeitig ein komplexer Betrieb aufrechterhalten werden muss, darf nichts dem Zufall überlassen bleiben.
In dieser Nacht blieb es glücklicherweise bei einem Szenario. Der wahre Erfolg aber zeigt sich erst dann, wenn aus dem geprobten Ernstfall einmal bitterer Ernst werden sollte.
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