Junge und ihre Werte

Krawalle? Nicht mit uns! So ist die Gen Z wirklich

Österreich
07.11.2026 20:17
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach den Krawallen bei Gen-Z-Protesten in Europa steht eine ganze Generation am Pranger. Zu Unrecht, sagen die jungen Redakteurinnen und Redakteure der „Krone“. Sie engagieren sich in Suppenküchen, auf der Skipiste, für die Umwelt und an der Wahlurne.

Brennende Barrikaden, geplünderte Geschäfte, Wasserwerfer: Die Bilder der vergangenen Wochen haben sich eingebrannt. In Frankreich wurden Demonstrationen junger Menschen von Krawallen überschattet, und auch in Deutschland kippte zu Halloween die Stimmung. Schnell war das Urteil gefällt: Die Gen Z, das sind die Randalierer.

Doch das Bild ist schief. Laut der Initiative „Gen Z regelt“ demonstrierten zu Halloween in Deutschland rund 120.000 Menschen friedlich – für Dinge, die jede Generation betreffen: mehr Investitionen in Bildung, leistbares Leben und konsequenten Klimaschutz. Selbst die Polizeigewerkschaft hielt fest, die Proteste hätten sich als sehr friedlich herausgestellt; erst nach dem Ende der eigentlichen Veranstaltungen spitzte sich die Lage in einigen Städten zu.

Auch in Österreich blieb es ruhig: Bei der Demo in Wien waren nur etwa 100 Teilnehmer, und die Polizei hatte schon vorab sechs Personen ausgeforscht, die im Internet hauptverantwortlich zu Gewalt und Plünderungen aufgerufen haben sollen.

Die Gen Z packt lieber an
Wer Gewalt ausübt, gehört bestraft – egal, wie alt er ist. Aber eine ganze Generation für die Taten weniger in Sippenhaft zu nehmen, wäre unfair. Denn die meisten jungen Menschen machen keine Schlagzeilen. Sie schöpfen Suppe für Bedürftige, bringen Kindern das Skifahren bei, lassen das Auto stehen, trennen ihren Müll und gehen wählen.

Die „Krone“ hat junge Kolleginnen und Kollegen gefragt, was sie zur Gesellschaft beitragen:

Lesen Sie hier alle Antworten ausführlich:
Elena Überbacher, 23, Kärnten
„Im Kleinen für die eigenen Werte einstehen“

Themen, die mir besonders am Herzen liegen sind, Umwelt- und Tierschutz. Außerdem setzte ich mich für die Inklusion von Menschen ein, die es in unserer Gesellschaft nicht so einfach haben. In meiner Nachbarschaft gibt es einen beeinträchtigten Mann. Ich treffe ihn manchmal beim Spazieren. Dann rede ich oft mit ihm und er erzählt mir von seinem Leben. Manchmal macht es mich traurig, dass er sich so freut, weil ich weiß, dass ihn andere Menschen oft nicht beachten oder ungut sind. Ich finde, es ist großartig, wenn sich jemand in einer Organisation engagiert. Doch es muss nicht immer so sein. Oft kann man auch im Kleinen seine Werte vertreten und für sie einstehen. So klaube ich in der Natur beim Spazieren nebenbei weggeworfenen Müll auf oder hole überfahrene Tiere von der Straße. Meiner Meinung nach hat Gen Z ihr Herz am richtigen Fleck. Ich glaube, dass die ungerechten Urteile daherkommen, weil sich die Generation viele Sachen zurecht nicht gefallen lässt und das auch zeigt. Hater wollen dann nur mit gemeinen Adjektiven wie faul, bequem und verwöhnt einschüchtern.

Elena will ihre Werte im Alltag vertreten.
Elena will ihre Werte im Alltag vertreten.(Bild: Elena Überbacher)
Miroslava Dicheva, 25, Salzburg
„Anderen die komplexe Politik erklären“

In meiner Freizeit recherchiere ich viel zu außenpolitischen Themen und Konflikten und mache daraus Erklärvideos für Social Media. Ich selber freue mich immer, dazuzulernen. Und wenn jemand da draußen komplexe Themen durch die Erklärungen versteht, freue ich mich umso mehr. Wenn andere Menschen komplexe Politik-Inhalte durch meine Erklärvideos besser verstehen und sich in Kommentaren bei mir bedanken, spornt mich das an, weiter zu machen. Und ich lerne auch dazu.

Miroslava nutzt soziale Medien, um komplexe Zusammenhänge zu erklären.
Miroslava nutzt soziale Medien, um komplexe Zusammenhänge zu erklären.(Bild: zVg)
Philipp Zimmermann, 29, Oberösterreich
„Kinder weg vom Handy bringen“

Ich bin seit eineinhalb Jahren bei der Union Babenberg Trainer der U13-Mannschaft. Gemeinsam mit meinem Co-Trainer sind wir für 25 Kinder im Alter von elf bis zwölf Jahren verantwortlich. Wir haben zweimal pro Woche Training plus ein Spiel am Wochenende. Mir ist wichtig, dass die Kinder einen Ort haben, an den sie gerne kommen und dass sie neben den fußballerischen Fähigkeiten vor allem soziale Aspekte wie Zusammenhalt, füreinander da sein und Fair Play lernen. Außerdem ist es ein positiver Effekt, wenn die Kinder die Zeit nicht vorm Computer oder Handy verbringen, sondern als Mannschaft am Fußballfeld.

Philipp (links) mit seiner Mannschaft
Philipp (links) mit seiner Mannschaft(Bild: Philipp Zimmermann)
Sophie Hartl, 21 Jahre, Sportredakteurin Tirol
„Ich will die nächste Generation begeistern“

Da ich als Kind mit einer Skilehrerin keine guten Erfahrungen gemacht habe, war es mir ein großes Anliegen, Kindern meine Skibegeisterung ohne Zwang oder Druck dafür stets mit einem Lächeln im Gesicht weiterzugeben. Während meiner Studienzeit habe ich (größtenteils ehrenamtlich) als Skilehrerin gearbeitet und Kindern und Jugendlichen das Skifahren beizubringen. Dabei ging es mir nicht nur darum, ihnen die richtige Technik zu vermitteln, sondern auch darum, ihnen meine eigene Begeisterung für den Sport spielerisch weiterzugeben, Selbstvertrauen zu geben und sie bei ihren ersten Erfahrungen auf Skiern zu begeistern. Natürlich ist das nicht immer einfach, weil man beim Aufheben und gut zureden nicht nur körperlich, sondern auch mental an seine Grenzen kommt. Aber es ist einfach das schönste Gefühl, wenn man die Fortschritte der Kinder live miterlebt und sie am Ende des Tages mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause gehen. Gerade im Umgang mit Kindern übernimmt man viel Verantwortung und lernt, auf unterschiedliche Bedürfnisse einzugehen.

Sophie als Skilehrerin
Sophie als Skilehrerin(Bild: zVg)
Anatol Szardeczky-Kardoss, 27, Sport-Redakteur
„Geht bitte wählen!“

Ich glaube, es sind Kleinigkeiten: Dass man das Auto stehen lässt und mit dem Rad unterwegs ist oder zu Fuß. Und ganz wichtig: Vom politischen Wahlrecht Gebrauch machen und damit die Zukunft mitzuentscheiden. Und nie aufhören probieren zu wollen sich weiterzubilden und gescheiter zu werden.

Anatol an seinem Arbeitsplatz in der Wiener Sportredaktion
Anatol an seinem Arbeitsplatz in der Wiener Sportredaktion(Bild: zVg)
Sebastian Siller, 27, Redakteur in Salzburg
„Soziales Engagement gilt auch für Tiere“

Soziales Engagement ist mir nicht nur in meinem Beruf als Journalist wichtig, sondern auch privat. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere. Gemeinsam retten meine Freundin und ich verwahrloste und ausgesetzte Katzen rund um den Bauernhof ihrer Familie. Dabei versuchen wir den Samtpfoten zu helfen und für sie ein neues Zuhause zu finden. Einige der Katzen haben wir sogar selbst adoptiert. 

Sebastian mit seinen Schützlingen
Sebastian mit seinen Schützlingen(Bild: zVg)
Michaela Holzinger, 29, Redakteurin in der Steiermark
„Mit Herzblut für die Menschen“

Eigentlich habe ich mich mit 14 Jahren dazu entschieden diplomierte Sozialpädagogin zu werden. Vier Jahre habe ich nach meiner Ausbildung mit teils behinderten Kindern gearbeitet und mich dabei mit vollem Herzblut für ihr Wohl eingesetzt – eine Erfahrung, bei der ich vieles über soziale Ungerechtigkeit lernen konnte. Und auch heute, in meinem Arbeitsalltag als Journalistin, ist mir dieser Einsatz noch genauso wichtig. Durch meine Arbeit kann ich Menschen, die sich oftmals in großer Verzweiflung an unsere Zeitung wenden, helfen eine Stimme zu bekommen. Ich kann Geschichten erzählen, die sonst niemand hört, und dadurch den Anstoß zu echten Veränderungen im Leben Einzelner geben. In meiner Freizeit lege ich außerdem großen Wert auf Nachhaltigkeit. Ein Einkauf am lokalen Bauernmarkt, mit Rad und Öffis durch Graz oder ein Buch anstatt des Fernsehers – oft sind es die kleinen Dinge, die unserer Erde helfen.

Michaela schreibt für die „Steirerkrone“.
Michaela schreibt für die „Steirerkrone“.(Bild: Jakob Schmutz)
Emily Patek, 26, Adabei-Redakteurin
„Ein Hoch auf die Mülltrennung“

Ich achte persönlich sehr stark auf Mülltrennung. Ich finde einfach, dass es wichtig ist, seinen eigenen Teil zum Umweltschutz beizutragen. Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, als in Österreich das Pfandsystem eingeführt wurde. 

Emily sorgt auch im Büro für die korrekte Mülltrennung.
Emily sorgt auch im Büro für die korrekte Mülltrennung.(Bild: zVg)
Elena Mayrhofer, 22, Onlineredakteurin
„Ich will meine Freizeit sinnvoll verbringen“

Ich arbeite in meiner Freizeit öfter in einer Suppenküche in Wien. Dazu habe ich mich entschieden, weil ich mit meiner Freizeit etwas Sinnvolles machen wollte und mir der Austausch mit Menschen, die vielleicht nicht so viel haben, wichtig ist.

Elena ist Online-Redakteurin bei der „Krone“.
Elena ist Online-Redakteurin bei der „Krone“.(Bild: zVg)
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