300 Jahre lang beteten Pilger auf ihrem Weg nach Marizall in Marktl bei Lilienfeld (NÖ) zur Muttergottes. Dann wurde die Kapelle bis auf die Grundmauern zerstört! Nur die Marienstatue blieb unversehrt.
„Für mich und eigentlich alle Bewohner hier in Marktl ist es trotz der Tragödie um unsere kleine Kapelle ein kleines Wunder“, schildert Dorferneuerungsobmann Franz Spilka. Wie berichtet, war die unter Denkmalschutz stehende Andachtsstätte durch einen fahrlässigen Bauarbeiter in Trümmer gelegt worden. Der Mann hatte – für eine Subfirma bei der Errichtung eines ökologisch vorbildlichen Hotels arbeitend – mit einem voll beladenen Traktoranhänger zurückgeschoben und das Kulturjuwel dem Erdboden gleich gemacht.
Mauerreste landeten im Schuttcontainer
Mehr noch: Statt die geweihten Mauerreste für eine spätere Restaurierung aufzubewahren, wurden diese in einem Schuttcontainer entsorgt. Und das ohne jegliches Wissen des Bauherrn, der als Förderer der Abtei in Lilienfeld viel Segensreiches stiftet, dem Tal zweifellos zum Aufschwung hilft und fast alle historischen Häuser in der Neumannsiedlung restauriert hat.
Dabei war die nach dem gleichnamigen Haus benannte „Breitler“-Kapelle in der Amtszeit von Abt Matthäus Kolweis (1650-1695) wohlweislich an der „Via Sacra“, dem Pilgerweg nach Mariazell, Stein um Stein für eine kleine Ewigkeit auf Erden aufgetürmt worden. Auch Abt Norbert Mussbacher würdigte in den 1990er-Jahren in heimatkundlichen Forschungen den berührenden „Wegweiser zur Muttergottes“.
„Dem Jesuskind das Kopferl abgeschlagen“
Spilka selbst war jedenfalls sofort an den Ort der Zerstörung geeilt – und geriet aus dem gläubigen Staunen nicht heraus. Denn die hölzerne Marienstatue hatte das unbeabsichtigte Zerstörungswerk beinahe unversehrt überstanden. „Lediglich dem Jesuskind war das Kopferl abgeschlagen worden. Doch auch das konnte ich bergen“, schildert der Hobbyhistoriker, der die Gnadenstatue nun restauriert hat.
Wiederaufbau wird gefordert
Wo die Muttergottes ihren Segen künftig verbreiten wird, ist allerdings noch unklar. Inzwischen werden die Rufe nach einem Wiederaufbau – „so gut es eben geht“ – laut. Das dürfe nicht ungehört bleiben. Nach ersten polizeilichen Ermittlungen ist nun das Bundesdenkmalamt am Zuge. Auch Bürgermeister Manuel Aichberger ist reinen Herzens darum bemüht, dass in Marktl wieder eine Andachtsstätte entsteht: „Darüber wird immer lauter nachgedacht.“ Dafür beten nicht nur die engagierten Dorferneuerer.
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