Zu Allerseelen pilgern Wiener auf die Friedhöfe. Wer höher hinaus will, bucht bei der Bestattung Wien den Flug ins All – Milliardär muss dafür niemand sein.
Ins Weltall fliegen sonst Astronauten und Superreiche. Für die allerletzte Reise reicht ein deutlich kleineres Budget. Die Bestattung Wien organisiert Weltraumbestattungen gemeinsam mit zwei US-Firmen, Celestis und Beyond Burials. Der günstigste Flug kostet 1500 Dollar (rund 1340 Euro). Buchen kann ihn jeder Wiener.
Nur ein Gramm hebt ab, der Rest bleibt auf Erden
Als Ganzes in den Himmel kommt dabei freilich niemand. Nach der Kremation bleiben von einem Erwachsenen zwei bis vier Kilo Asche. Abheben dürfen nur wenige Gramm, verpackt in einer Mini-Kapsel. Bei Celestis fasst die Standardkapsel rund ein Gramm, die größte etwa sieben. Abgerechnet wird nach Größe der Kapsel. Der Rest wird klassisch beigesetzt.
Vom Rand des Alls bis zur letzten Ruhe am Mond
Die Preise folgen einer simplen Regel: Je weiter und je mehr Gramm, desto teurer. Für 1500 Dollar schickt Beyond Burials die Asche an den Rand des Weltalls. Bis zu sechs Minuten Schwerelosigkeit, dann geht es zurück zur Erde. Bei Celestis bekommt die Familie die Kapsel als Andenken nach Hause - um 3495 Dollar (rund 3130 Euro).
Lieber ein paar Runden um den Globus? Ab 3000 Dollar (rund 2680 Euro) kreist die Kapsel je nach Mission Monate oder Jahre um die Erde. Angehörige können sie online verfolgen. Am Ende verglüht sie beim Eintritt in die Atmosphäre.
Bisher hat noch kein Wiener eine Weltraumbestattung bei uns in Anspruch genommen. Wir sind für Anfragen aber gerüstet.

Jürgen Sild, Geschäftsführer der Bestattung Wien
Bild: Bestattung Wien
Mond und tiefes All gibt es ab 7500 Dollar (rund 6710 Euro). Rund 384.400 Kilometer sind es bis zum Erdtrabanten, ein Kilometer kostet damit nicht einmal zwei Cent. Wer bei Celestis auf dem Mond landen will, zahlt allerdings 49.995 Dollar (rund 44.710 Euro). Damit ist das wohl die teuerste Art, Wien für immer zu verlassen.
Gestartet wird in den USA, etwa in Florida oder Kalifornien. Die Familie kann vor Ort dabei sein oder den Start live im Internet verfolgen. Danach gibt es Video und Urkunde. Ganz ohne Risiko ist die Reise nicht: Scheitert ein Start, fliegt die Kapsel bei Celestis kostenlos ein zweites Mal. Bei Beyond Burials kostet dieser Schutz extra. Dafür darf dort auch Tierasche mit, ebenso ein Ehering oder eine Haarlocke.
„Scotty“ und „Uhura“ kreisen nun um die Sonne
Prominente Vorreiter gibt es reichlich. Im Jänner 2024 hob in Florida eine Celestis-Kapsel mit der Asche von „Star Trek“-Erfinder Gene Roddenberry ab. Mit an Bord: Nichelle Nichols, bekannt als „Uhura“, und James Doohan, der „Scotty“. Die Kapsel ist auf dem Weg in eine dauerhafte Umlaufbahn um die Sonne.
Weniger Glück hatten die Passagiere des Mondlanders „Peregrine“, der mit derselben Rakete startete. Ein Treibstoffleck verhinderte die Landung, zehn Tage später verglühte er über dem Südpazifik.
Wiener sucht man auf den Passagierlisten bisher vergeblich. „Bisher hat noch kein Wiener eine Weltraumbestattung bei uns in Anspruch genommen“, sagt Jürgen Sild, Geschäftsführer der Bestattung Wien. „Wir sind für Anfragen aber gerüstet.“
Billig wird es trotzdem nicht: Die Preise gelten nur für den Flug. Feuerbestattung und Versand der Kapsel in die USA kommen dazu, bei Celestis außerdem 245 Dollar Bearbeitungsgebühr. Und ein Grab für die Kerze zu Allerseelen braucht es ohnehin.
„Man stirbt nur einmal im Leben, aber es kostet dann trotzdem zwischen fünf- und zehntausend Euro.“ Georg Haas, Gründer der Bestattung Himmelblau, zieht eine drastische Bilanz: „Die Friedhöfe sterben aus.“ Laut seinem Unternehmen hat sich in Wien das Verhältnis binnen zwölf Jahren umgedreht. 2013 lagen Erdbestattungen mit 62 Prozent klar vorne, 2025 entfielen 60 Prozent auf Feuerbestattungen. Bei den Friedhöfen Wien stieg der Anteil der Urnen seit 2015 von 30 bereits auf 41 Prozent.
Geld ist längst kein Tabu mehr. „Heute sagen uns viele Familien gleich im ersten Gespräch: ,Wir müssen aufs Budget schauen. Aber es soll trotzdem schön sein!‘“, erzählt David Wagner, Leiter des Beratungsservice bei „Himmelblau“. Am günstigsten ist die Feuerbestattung, mit Urne daheim, ab rund 3000 Euro.
Weinrebe und Rosenstock als letzte Ruhestätte
Knapp ein Drittel der Himmelblau-Kunden wünscht sich eine Beisetzung im Grünen. Ein Grabstein ist nicht nötig, „die Pflege übernimmt nämlich die Natur selbst“, so Wagner. Bei den Friedhöfen Wien sind elf Prozent der Urnenbeisetzungen Naturgräber, 2015 waren es erst sechs. Auch digital wird getrauert: Jede der rund 550.000 Grabstellen hat ein virtuelles Pendant, 24.000 Menschen nutzen es. „Trauer ist individuell, aber ich glaube, den physischen Friedhof wird das digitale Grab nicht ablösen“, so Sprecherin Lisa Pernkopf. Der klassische Grabbesuch bleibt Tradition: „Allerheiligen und auch der Muttertag sind absolute Höhepunkte.“
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