Was haben Kartoffeln, Kindheitserinnerungen und alte Heiligenbilder gemeinsam? In der Ausstellung „SAINTS“ im Innsbrucker Bischofshaus verbinden Michelle Schmollgruber und Gergő Bánkúti persönliche Geschichten mit religiöser Symbolik und zeitgenössischer Kunst.
Was haben eine Kartoffel und ein Heiliger gemeinsam? Beide hinterlassen Spuren – und beide sind vergänglich. Der ungarische Künstler Gergő Bánkúti schnitzt religiöse Figuren aus Erdäpfeln, die er in Salz legt. Sie verlieren Feuchtigkeit, schrumpfen und verändern ihre Gestalt. Wie Erinnerungen, die mit den Jahren verblassen, ohne ganz zu verschwinden. Dieses einfache und eindringliche Bild steht im Zentrum von „SAINTS“, ab 31. Oktober im Innsbrucker Bischofshaus.
Von 2021 bis 2023 entwickelten Michelle Schmollgruber und Bánkúti das Projekt „SAINTS-Heilige“. Fotografin Schmollgruber übernimmt die Rolle einer Ikonenmalerin, ihr Gegenüber verkörpert die Heiligen selbst – mit Gegenständen aus dem Alltag statt den gewohnten Attributen. Inspiriert wurde Bánkúti von seiner Großmutter, die religiöse Figuren und Andachtsbilder in einer Vitrine verwahrte. Der Künstler gehört keiner bestimmten Religion an, doch diese Bilder haben ihn geprägt.
Auch das Verletzliche hat etwas Heiliges an sich
Persönlich wird es beim heiligen Sebastian: Bánkúti erinnert sich an ein Tanzcamp, in dem ihn andere Jungen verspotteten, an einen Pfeiler fesselten und mit Pfeilen beschossen. Eine Lehrerin half ihm. Im heiligen Franziskus wiederum begegnet er dem Kind, das ein zum Sterben bestimmtes Kätzchen rettete und seither ein Herz für Tiere hat.
So werden aus fernen Glaubensgestalten Menschen aus Fleisch und Blut, aus tradierten Symbolen Geschichten über Ausgrenzung, Mitgefühl und Hoffnung. Dass die Ausstellung rund um Allerheiligen in Tirol stattfindet, passt: Hier begegnen uns Heilige an Hausfassaden und Wegkreuzen täglich. „SAINTS“ lädt dazu ein, genauer hinzusehen – vom 31. Oktober bis zum 26. November am Innsbrucker Domplatz 5.
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