Tief unter den Straßen von St. Pölten ruhen 26 Ordensfrauen, deren Leben von tiefem Glauben, großer Hingabe und außergewöhnlichem Mut geprägt war.
Unter den Mauern der Schulkirche liegt ein vergessenes Stück Frauengeschichte. Hier ruhen 26 Englische Fräulein, die einst neue Wege wagten. Sie widmeten ihr Leben dem Glauben und der Bildung junger Mädchen – in einer Zeit, in der Frauen kaum etwas zu sagen hatten. Ihre Gründerin Mary Ward stellte sich mutig gegen die mächtigen Männer der Kirche. Sie wollte Mädchen Wissen schenken und ihnen damit neue Türen öffnen. Gräfinnen und Freiinnen fanden hier ihre letzte Ruhe. Kaiserin Maria Theresia verband eine enge Freundschaft mit einer Oberin. Heute erzählen die schlichten Gräber von großen Ideen und stillem Mut. Wer die steilen Stufen hinuntersteigt, lässt die Welt oben ein Stück weit hinter sich. Die Luft wird kühl, das Licht schwindet, der Lehmboden schluckt jeden Schritt.
Namen auf den Grabtafeln
Unter der Schulkirche der Mary Ward Schulen in St. Pölten liegt ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint. Ein schlichtes Kreuz, Blumen in einer Vase, ringsum Stille. Hier fanden zwischen 1727 und 1784 insgesamt 26 Englische Fräulein ihre letzte Ruhe. Ihre Namen stehen auf den Grabtafeln, ihre Lebensgeschichten bleiben oft im Dunkeln. Dabei waren diese Frauen Pionierinnen. Ihre Gründerin Mary Ward wagte es, sich gegen die männlich dominierte Kirchenwelt ihrer Zeit aufzulehnen.
Sie wollte Mädchen Bildung ermöglichen – Lesen, Schreiben und Rechnen, aber auch Selbstständigkeit und neue Perspektiven. Dafür musste sie Anfeindungen ertragen und wurde sogar von der Inquisition eingesperrt. Doch ihre Idee überlebte. Auch in St. Pölten entstand bereits 1706 ein Institut, in dem Mädchen lernen durften, was damals längst nicht selbstverständlich war.
Verbindung zum Kaiserhaus
Unter den Ordensfrauen fanden sich zahlreiche adelige Damen, darunter Isabella, Gräfin von Kolowrat, und Katharina, Gräfin von Czernin. Besonders eng war die Verbindung zum Kaiserhaus: Maria Katharina, Gräfin von Saint-Julien, war eine Freundin von Kaiserin Maria Theresia, die das Institut wiederholt besuchte. Neben dem Kreuz in der Gruft erinnert eine Tafel an die Oberin. Sie sei eine Frau gewesen, die ihre „weiblichen Gedanken mit männlichem Muthe unterstützte“.
Worte, die bis heute berühren – und von einer Frau erzählen, die sich nicht kleinmachen ließ. 1784 endeten die Bestattungen in der Gruft. Heute wird der Raum nur noch im Rahmen von Führungen geöffnet. Während unten die Ordensfrauen ruhen, lernen oben in den historischen Schulräumen neue Generationen. Vielleicht ist das ihr schönstes Vermächtnis: dass der Glaube an die Kraft der Bildung weiterlebt. Die Gruft bewahrt die Namen dieser Frauen. Ihre Geschichten aber verdienen es, wieder ans Licht geholt zu werden.
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