Der Chef erzählt

Wie Gasthaus 130 Jahre fast ohne Ruhetag auskommt

Tirol
28.10.2026 07:00

Vom Gasthof zum modernen Stadthotel. Zum 130-Jahr-Jubiläum des Hotel Sailer in Innsbruck plaudert Chef Joschi Sailer mit der „Krone“ über illustre Gäste, Reisfleisch und andere bemerkenswerte Traditionen. 

In fünfter Generation führen Joschi und Sabine Sailer heute das Familienhotel in der Adamgasse in Innsbruck. An die ursprüngliche Bestimmung als Gasthof erinnern die urigen Stuben. Sie stammen aus unterschiedlichen Tiroler Tälern und wurden von Sailers Ahnen in die Stadt geholt. „Die Wettersteiner Stube heißt so, weil sich hier Mitglieder der Alpinen Gesellschaft Wettersteiner seit 1911 jeden Donnerstagabend treffen“, erzählt Hausherr Sailer von einer besonderen Stammtischrunde, der einst auch sein Großvater angehörte.

Austausch am Stammtisch um 1960. Auch der Großvater von Joschi Sailer war mit dabei.
Austausch am Stammtisch um 1960. Auch der Großvater von Joschi Sailer war mit dabei.(Bild: Hotel Sailer)
Nach einer Stammtischrunde ist die Wettersteiner Stube benannt.
Nach einer Stammtischrunde ist die Wettersteiner Stube benannt.(Bild: Die Fotografen)

Dieser geadelte Hotelgast schrieb Alpingeschichte
Treue Gäste haben die Sailers viele – und berühmte. Über sie spricht der Hausherr nicht. Diskretion ist ihm wichtig. Einen nennt er dann doch. Sir Edmund Hillary, einer der beiden Erstbesteiger des Mount Everest: „Vor rund 35 Jahren hat Sir Hillary bei uns übernachtet und erzählt, dass er vor seiner legendären Erstbesteigung bereits einmal in Innsbruck war, sich damals aber kein Hotel leisten konnte.“

Das ehrwürdige Haus um 1910.
Das ehrwürdige Haus um 1910.(Bild: Hotel Sailer)

Es sind Geschichten wie diese, die zwischen alten Stuben und modernen Hotelzimmern die Sailer-Atmosphäre prägen. „Und es sind unsere 75 Mitarbeiter“, wirft der Chef ein. Nicht ohne Stolz erzählt er von jenen, die dem Haus schon lange verbunden sind: „Ohne sie könnten wir nicht 365 Tage im Jahr offen halten – auch das Restaurant.“ In der 130-jährigen Geschichte hat nur Corona eine Zwangspause notwendig gemacht. „Das haben nicht einmal die schweren Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg geschafft“, betont der Chef.

Wer beim Sailer einkehrt, trifft auf viele Traditionen – auch auf der Speisekarte. Ein Wiener vom Kalb ist dort ebenso vertreten wie Kalbszüngerl oder der heute in Restaurants nur noch selten aufgetischte Klassiker Reisfleisch. „Letzteres servieren wir unseren Gästen seit mehr als hundert Jahren im Pfandl“, erzählt Joschi Sailer. Ob seine Kinder das Familienerbe weiterführen werden? „Freuen würde es uns. Aber es ist noch zu früh für diese Entscheidung.“

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