Schilf vom Neusiedler See, Holz und Lehm statt herkömmlicher Baustoffe: Bei St. Pölten ging Österreichs erste Schilf-Lärmschutzanlage an einer Autobahn in Betrieb. Sie ist rund einen Kilometer lang und soll Anrainer sowie Umwelt schützen.
Wo früher herkömmliche Elemente den Verkehrslärm abfingen, steckt nun Schilf vom Neusiedler See in der Wand: Entlang der Westautobahn bei St. Pölten wurde auf rund einem Kilometer Österreichs erste Schilf-Lärmschutzanlage an einer Autobahn errichtet.
Die Anlage besteht aus Elementen mit Rahmen aus thermisch behandeltem Holz, einer Lehmfüllung und einer beidseitigen Schilfabdeckung. Insgesamt erstrecken sich die Elemente über eine Fläche von 2690 Quadratmetern.
Alte Anlage war rund 25 Jahre im Einsatz
Errichtet wurde die Wand im Zuge der Fahrbahnsanierung zwischen St. Pölten und Völlerndorf. Die bisherige Lärmschutzanlage war rund 25 Jahre alt und wurde erneuert. Die Arbeiten sind mittlerweile abgeschlossen.
Bei dem Projekt sei es nicht nur um die Verkehrssicherheit, sondern ebenso um den Schutz der Anrainer gegangen, betont Georg Singer, Regionalleiter Ost der Asfinag Bau Management. Die neue Anlage soll nun für die kommenden Jahrzehnte halten.
Für die Strabag stellte die ungewöhnliche Konstruktion eine besondere Aufgabe dar. Projektleiter Reinhard Tremmel sieht darin jedoch den Beweis, dass leistungsfähige Infrastruktur und ressourcenschonendes Bauen miteinander vereinbar sind.
4000 Schilfbunde in der Wand verbaut
Für die neue Anlage wurden 4000 Schilfbunde verarbeitet. Das entspricht rund 1,5 Prozent der gesamten österreichischen Schilfernte. Das Material stammt aus dem Raum Neusiedler See, die Elemente wurden im Waldviertel gefertigt.
Laut Herstellerin Birgit van Duyvenbode erfüllt die Konstruktion dieselben hohen Anforderungen an Schall- und Brandschutz wie herkömmliche Systeme. Die Schalldämmung liege bei mehr als 30 Dezibel. Das Schilf übernimmt vor allem die Schallabsorption, während der Lehm im Inneren zur Dämmung beiträgt.
In der Wand könnten zudem rund 150 Tonnen CO₂ gespeichert werden. Beim späteren Austausch falle außerdem deutlich weniger Sondermüll an als bei konventionellen Lärmschutzwänden. Auch Insekten finden im Naturmaterial Lebensraum.
Schilfschnitt hilft dem Ökosystem
Vorteile sieht auch der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel. Der Schilfschnitt gehört dort zu den notwendigen Pflegemaßnahmen. Besonders junges Schilf ist als Brutplatz wichtig. Durch eine kontrollierte Ernte werden wertvolle Brut- und Rückzugsräume erhalten, während das entnommene Material als Baustoff eine neue Verwendung findet.
Die Kombination aus Schilf, Thermoholz und Lehm geht auf ein Forschungsprojekt zurück, das bereits vor rund 20 Jahren begonnen wurde. Untersuchungen sprechen laut Herstellerin dafür, dass die Konstruktion den vorgesehenen Lebenszyklus von mindestens 25 Jahren erreicht.
Vier Monate dauerte die Produktion für den ersten Autobahnkilometer. Künftig soll es schneller gehen. Gespräche über weitere Anlagen laufen bereits, auch aus dem Ausland gebe es Interesse.
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