Lehrlingsexperte Narr

Nach WorldSkills: „Keine Zeit zum Zurücklehnen“

Tirol
18.10.2026 16:00
Porträt von David Narr
Von David Narr

Die österreichische Bilanz bei den WorldSkills ist für den Tiroler Lehrlingsexperten und „Krone“-Kolumnisten David Narr ein Beweis dafür, dass die duale Ausbildung ein Erfolgsmodell ist. Um weiterhin so gut abzuschneiden, muss aber an den Rahmenbedingungen gefeilt werden.

Wenn die PISA-Ergebnisse erscheinen, diskutiert das ganze Land über Schule, Bildung und Leistung. Das ist richtig. Denn PISA misst, wie gut junge Menschen lesen, rechnen und Zusammenhänge verstehen können. Aber es gibt noch einen anderen Gradmesser. Einen, bei dem nicht angekreuzt, sondern angepackt wird. Einen praktischen Härtetest: die WorldSkills.

Dort messen sich junge Fachkräfte aus der ganzen Welt. Sie treten in ihren Berufen gegeneinander an – unter Zeitdruck, mit echten Aufgaben und klaren Kriterien. Wer dort vorne mitspielt, muss sein Handwerk beherrschen.

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Solche Ergebnisse fallen nicht vom Himmel. Dahinter stehen junge Menschen, die hart trainieren.

David Narr

Beeindruckende Bilanz
Österreich hat in Shanghai stark aufgezeigt. Vier Silbermedaillen, sechs Bronzemedaillen und 20 Medals for Excellence sind für ein kleines Land eine beeindruckende Bilanz. Österreich wurde siebtbeste Nation der Welt und drittbeste aus Europa. Aus Tiroler Sicht erfreulich: Vincent Track aus Breitenbach am Inn holte Silber im Bewerb Wassertechnologie. Das ist nicht nur persönlich, sondern auch ein starkes Zeichen für die Qualität unserer Ausbildung. Denn solche Ergebnisse fallen nicht vom Himmel. Dahinter stehen junge Menschen, die hart trainieren, Betriebe, die ausbilden, Ausbilderinnen und Ausbilder, Berufsschulen, Familien und viele, die im Hintergrund unterstützen.

Wenn Österreich bei einer Berufsweltmeisterschaft ganz vorne mitmischt, sagt das viel über unser System aus. Die duale Ausbildung ist nicht irgendein Modell. Sie ist ein Erfolgsmodell.

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Wir dürfen also stolz sein. Aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen.

David Narr

Auch andere Nationen geben kräftig Gas
Wir dürfen also stolz sein. Aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Denn Shanghai zeigte auch: Andere Nationen geben ordentlich Gas – von China über Indien und Südkorea bis hin zur Schweiz und Frankreich. Sie nehmen berufspraktische Ausbildung sehr ernst, investieren gezielt und haben verstanden: Fachkräfte sind Versorgungssicherheit, Infrastruktur und Standortpolitik zugleich.

Wer Betriebe ansiedeln, neue Technologien entwickeln und in die Praxis bringen will, braucht Menschen, die sie einbauen, warten und zum Leben erwecken. Ohne Fachkräfte bleibt vieles liegen. Dann wird keine Wärmepumpe und keine Fotovoltaikanlage montiert, kein Auto gewartet, keine Produktionsanlage instand gehalten und kein Haus mehr gebaut. Forschung, Digitalisierung und Technologie sind wichtig. Aber am Ende braucht es Menschen, die diese Ideen umsetzen.

An Rahmenbedingungen feilen
Wenn wir bei den World-Skills auch in Zukunft vorne bleiben wollen, müssen wir zu Hause an den Rahmenbedingungen feilen. Beispielsweise sollten Polytechnische Schulen und Fachberufsschulen modern ausgestattet werden. Berufsorientierung muss früher, konkreter und praxisnäher stattfinden. Und die duale Ausbildung braucht in der Finanzierung jenen Stellenwert, den sie für den Arbeitsmarkt längst hat.

Die gute Nachricht zum Schluss: Österreich und Tirol spielen bei berufspraktischen Kompetenzen ganz vorne mit. Damit das so bleibt, müssen wir weiter investieren, weiter verbessern und der Lehre den Platz geben, den sie verdient. Denn nach den WorldSkills ist vor den WorldSkills. Dann fahren wir hoffentlich auch in zwei Jahren aus Japan wieder mit einem Koffer voller Medaillen nach Hause.

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