Nur 520 Gramm

Frühchen mit Fehlbildung in Tirol nun wohlauf

Tirol
06.10.2026 15:00
Porträt von Tiroler Krone
Von Tiroler Krone

520 Gramm und eine Geburt in der 23. Woche – das sind die Eckdaten eines Neugeborenen, das vor gut einem Jahr in der Innsbrucker Klinik zur Welt kam. Zudem hatte das Frühchen eine Fehlbildung. Ein Jahr danach ziehen die Tirol Kliniken nun Bilanz und berichten über das Schicksal des Kindes.

Ein Geburtsgewicht von 520 Gramm und eine Geburt mit 23 Schwangerschaftswochen stellen bereits für sich genommen eine extreme medizinische Herausforderung dar: Lunge, Gehirn, Darm und weitere Organsysteme sind zu diesem Zeitpunkt noch sehr unreif. Die Behandlung erfordert daher eine besonders sorgfältige Abstimmung aller Maßnahmen.

Wenige Stunden nach der Geburt wurde zusätzlich eine sogenannte Ösophagusatresie nachgewiesen. Bei dieser angeborenen Fehlbildung ist die Speiseröhre nicht durchgängig. Häufig besteht gleichzeitig eine Verbindung zwischen Speiseröhre und Luftröhre. Ohne operative Korrektur ist das Schlucken des eigenen Speichels, eine Ernährung über den natürlichen Weg und somit ein Überleben nicht möglich.

Bettina Härter, Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie (Univ. Klinik für ...
Bettina Härter, Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie (Univ. Klinik für Viszeral, Transplantations- und Thoraxchirurgie) und Elke Griesmaier-Falkner, stv. Direktorin der Neonatologie und stationsführende Oberärztin der Neonatologischen Intensivstation in Innsbruck.(Bild: tirol kliniken/Rocholl)

Seltene Fehlbildung, bis zu 25 Fälle pro Jahr
Die Ösophagusatresie zählt zu den seltenen angeborenen Fehlbildungen: Etwa eines von 3.000 bis 5.000 Neugeborenen ist davon betroffen. Bei rund 75.700 Geburten in Österreich im Jahr 2025 entspricht das etwa 15 bis 25 Kindern pro Jahr im gesamten Bundesgebiet. Nur ein kleiner Teil der betroffenen Kinder wiegt bei der Geburt weniger als 1.000 Gramm. Die Kombination aus einer Ösophagusatresie, einer Geburt in der 23. Schwangerschaftswoche und einem Geburtsgewicht von 520 Gramm ist daher ausgesprochen selten. 

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Die anatomischen Strukturen sind sehr klein und das Gewebe ist aufgrund der extremen Unreife besonders empfindlich.

Bettina Härter, Leiterin Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie

In Innsbruck werden jährlich mehrere Neugeborene mit dieser angeborenen Fehlbildung der Speiseröhre betreut. Chirurgisch wird in einer oder mehreren komplexen Operationen die Kontinuität der Speiseröhre hergestellt und die fehlerhafte Verbindung zur Luftröhre verschlossen. „Bei einem 520 Gramm schweren Frühgeborenen stellt eine Operation an der Speiseröhre eine ganz besondere Herausforderung dar. Die anatomischen Strukturen sind sehr klein und das Gewebe ist aufgrund der extremen Unreife besonders empfindlich. Es ist entscheidend, dass die Kinderchirurgie gemeinsam mit der Neonatologie und Kinderanästhesie jede Operation sorgfältig plant und zum richtigen Zeitpunkt durchführt“, sagt Bettina Härter, Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie (Univ. Klinik für Viszeral, Transplantations- und Thoraxchirurgie).

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Jeder Transport in den zentralen OP ist für ein so unreifes Kind ein Risiko: Auskühlung, Lagewechsel, Diskonnektion von Beatmung und Monitoring.

Elke Griesmaier-Falkner, stv. Direktorin der Neonatologie

Enormes Risiko für Frühchen
Bei diesem Kind waren mehrere Eingriffe erforderlich. Sie erfolgten nicht im zentralen OP, sondern direkt auf der neonatologischen Intensivstation. In Innsbruck ist das bei sehr kleinen Frühgeborenen ein etablierter Standard. Die Organsysteme extrem kleiner Frühgeborener sind sehr unreif, und die Kinder sind häufig nicht in der Lage, selbstständig zu atmen. Auch das Risiko von Hirnblutungen ist hoch. „Jeder Transport in den zentralen OP ist für ein so unreifes Kind ein Risiko: Auskühlung, Lagewechsel, Diskonnektion von Beatmung und Monitoring. Bei einem 520 Gramm schweren Kind kann daraus unmittelbar eine Komplikation entstehen“, erklärt Elke Griesmaier-Falkner, stellvertretende Direktorin der Neonatologie und stationsführende Oberärztin der Neonatologischen Intensivstation in Innsbruck.

Einzigartiger Fall in Tirol
„Was hier geleistet wurde, ist außergewöhnlich“, betont Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele. „Ein Kind mit 520 Gramm und einer derart seltenen Fehlbildung durch die ersten Lebensmonate zu begleiten, gelingt nur mit einem hochspezialisierten Team, das rund um die Uhr bereitsteht. Genau dafür steht ein Zentrum wie die Innsbrucker Universitätsklinik. Den Mitarbeitern der tirol kliniken gebührt für diese Leistung großer Dank.“

Der kleine Patient ist heute ein Jahr alt. Die Speiseröhre ist wiederhergestellt, das Kind entwickelt sich gut. Die weitere Betreuung und Beobachtung seiner Entwicklung erfolgen im Rahmen der strukturierten Nachsorgekontrolle an der neonatologischen Nachsorgeambulanz in Innsbruck.

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