Klänge der Zukunft

Ein Hauch von England weht über Schloss Grafenegg

Niederösterreich
04.10.2026 15:00

Schlossherr Tassilo Metternich-Sándor öffnete der „Krone“ die Türen zu verborgenen Kulturschätzen. Zwischen mächtigem Schlossturm, spätgotischer Kapelle und englischem Architekturflair wird Geschichte in Grafenegg plötzlich greifbar.

Ein Schritt über die alte Schlossbrücke – und schon taucht man ein in eine andere Welt. Hinter dem neugotischen Tor öffnen sich verwinkelte Gänge, prachtvolle Säle und stille Winkel, die vom bewegten Leben hinter den historischen Mauern erzählen. Schlossherr Tassilo Metternich-Sándor kennt diese Schätze und führt die „Krone“ durch Bereiche, die Konzertbesucher normalerweise nicht zu Gesicht bekommen.

Der Turm wacht über das Tudor-Schloss
Besonders eindrucksvoll ragt der mächtige Schlossturm aus dem Westtrakt in den Innenhof. 1861 errichtet und mit seinen kleinen „Pfefferbüchsen“-Türmchen gekrönt, bildet er einen markanten Gegenpol zum schlanken spätgotischen Turm auf der gegenüberliegenden Seite. Wer im Schlosshof steht, spürt die ganz besondere Mischung aus vielen Epochen. Ihn zu besteigen heißt der Seele Flügel zu verleihen, damit sie weit über die Zinnen zu fliegen vermag ...

Herbstlich verwaist und doch unendlich beseelt so wie das Schloss – Neubert, Mikl-Leitner und ...
Herbstlich verwaist und doch unendlich beseelt so wie das Schloss – Neubert, Mikl-Leitner und Metternich-Sandor im legendären Wolkenturm.(Bild: NLK KHITTL)

Eine Kapelle wie aus einem Bilderbuch
Ein stillerer Schatz wartet gleich nebenan: die Schlosskapelle. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet, leuchtet sie in kräftigen Farben und beherbergt einen spätgotischen Flügelaltar aus dem Jahr 1491. Die Figuren im Schrein zeigen die Krönung Mariens. Auch der Kapellenhof erzählt Geschichte: An seiner Wand finden sich die Wappen der Eigentümer Grafeneggs – eine steinerne Spur durch die Jahrhunderte.

Ein Hauch von England
Und dann überrascht Grafenegg mit einem kräftigen Hauch von England. Das Hauptstiegenhaus wurde nach dem Vorbild von Strawberry Hill bei London, dem berühmten neugotischen Landsitz von Horace Walpole, gestaltet. Auch die prachtvollen Hammerbeam-Decken in den historischen Räumen erinnern an die englische Architekturtradition.

Ritterfiguren, Wappen, geschnitzte Ornamente und historische Kachelöfen machen den Rundgang zu einer kleinen Zeitreise. Hinter jeder Tür scheint ein neues Kapitel des Schlosses zu warten.

Von alten Mauern zur großen Musik
Der Blick aus der Geschichte führt schließlich in die Gegenwart: Der moderne Wolkenturm ragt mitten in die Parklandschaft und bildet gemeinsam mit dem neuen Rudolf-Buchbinder-Saal die spektakuläre Bühne für die internationale Musikwelt. Genau diese Verbindung macht Grafenegg besonders: alte Schlossmauern, englischer Architekturzauber, weitläufige Natur und große Musik liegen hier nur wenige Schritte voneinander entfernt.

Neue Töne mit Neubert
Beim Rundgang traf Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner auch den neuen künstlerischen Leiter Johannes Neubert und Schlossherrn Tassilo Metternich-Sándor. „Mit Johannes Neubert übernimmt eine Persönlichkeit, die Grafenegg seit der Gründung mitgestaltet hat und für Kontinuität ebenso wie für neue Impulse steht“, betonte Mikl-Leitner.

Neubert kehrt an eine frühere Wirkungsstätte zurück: Von 2005 bis 2010 war er bereits Geschäftsführer des Grafenegg Festivals. Nun will er den besonderen Charakter des Ortes weitertragen. „Nirgendwo sonst findet man einen Ort, an dem Natur, Architektur und Kulinarik das Musikerlebnis so verführerisch begleiten“, sagt er.

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