Das Ausmaß ist nun offiziell bekannt, die Konsequenzen noch offen: Manchester City ist wegen Verstößen gegen die Finanzregularien der englischen Premier League in allen wesentlichen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Das teilte die Liga am Dienstag mit.
Die Entscheidung der von der Liga eingesetzten Kommission zeigt laut Richard Masters, dem Liga-Boss, „detailliert, wie der Verein fast ein Jahrzehnt lang systematisch gegen die Regeln“ verstoßen hat.
Das Verfahren gegen Manchester City läuft bereits seit 2023, der Klub hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Angeklagt ist City wegen möglicher Vergehen aus der Zeit von 2009 bis 2018, in der der Klub drei englische Meistertitel in der Premier League gewann. 2009 hatte Scheich Mansour bin Zayid Al Nahyan aus der Herrscherfamilie des Emirats Abu Dhabi den Verein übernommen.
Scheingeschäfte und Überschreitung der Ausgabengrenzen
Die Kommission stellte u.a. fest, dass der Klub mit einer Reihe seiner kommerziellen Partner Scheinkontrakte, welche die tatsächliche Vereinbarung zwischen den Parteien falsch darstellten, abgeschlossen habe, so die Liga. Außerdem habe der Klub Konstrukte genutzt, „um die Einnahmen des Vereins künstlich aufzublähen und seine Kosten im betroffenen Zeitraum um mehr als 900 Millionen Pfund (1,05 Milliarden Euro) zu senken, um den Anschein zu erwecken, die Finanzregeln einzuhalten“.
Der Verein habe falsche Jahresabschlüsse vorgelegt und die Ausgabengrenzen der Premier League und der UEFA „erheblich“ überschritten. Während der Untersuchung habe Manchester City mehrfach gegen seine Pflichten zur Zusammenarbeit verstoßen. Der Klub bestreitet weiterhin jegliches Fehlverhalten und kündigte Berufung gegen die Entscheidung an.
Alle denkbaren Sanktionen der Premier League liegen den Medienberichten zufolge weiter auf dem Tisch. Sie reichen von einer Geldstrafe über Punktabzüge und die Aberkennung von Titeln bis zu einem möglichen Zwangsabstieg. Die Liga selbst sprach offiziell von „Geldstrafen, Punktabzügen und sonstigen sportlichen Sanktionen“.
City schon einmal angeklagt
2014 war City von der UEFA schon einmal wegen Verstößen gegen das „Financial Fairplay“ des europäischen Verbands angeklagt worden. Damals lautete der Vorwurf unter anderem, dass der Klub verdeckte Zuwendungen aus Abu Dhabi erhalten habe, weil Sponsorengelder deutlich über dem eigentlichen Werbewert verbucht worden seien. Auch damals wies City alle Anschuldigungen zurück. Ein zweijähriger Ausschluss aus der Champions League wurde vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in eine Geldstrafe von zehn Millionen Euro umgewandelt.
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