Nach Zwangsräumung

Spanierin (87) darf wieder in ihre Wohnung zurück

Ausland
29.09.2026 12:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach ihrer Zwangsräumung in Madrid darf eine 87-Jährige wieder in ihre Wohnung zurück. Man habe eine Einigung erzielen können, sagte die Anwältin der Frau am Montag. Maricarmen Abascal war am vergangenen Mittwoch auf einer Trage aus ihrer Wohnung geholt worden, was für landesweite Proteste in Spanien sorgte.

Die Frau hatte  70 Jahre lang in der Wohnung gelebt. Sie war 1956 mit ihren Eltern eingezogen und hatte später den Mietvertrag übernommen. Nachdem das Gebäude an ein Immobilienunternehmen verkauft worden war, war der alte Mietvertrag laut diesem nicht mehr gültig. Der Investor erhöhte den Mietpreis um 275 Prozent auf 2650 Euro. Nach mehreren gescheiterten Räumungsversuchen wurde Abascal am vergangenen Mittwoch von der Polizei trotz des Widerstands von Unterstützerinnen und Unterstützern aus der Wohnung geholt und in ein Krankenhaus gebracht. Die Pensionistin ist in ihrer Mobilität eingeschränkt und hat einen Behinderungsgrad von 50 Prozent.

Nun darf die 87-Jährige wieder in ihre Wohnung zurück. „Wenn diese Einigung, die wir erreicht haben, unterzeichnet wird“, werde das „für alle ein besseres und erfreulicheres Ergebnis sein“, sagte die Anwältin der Frau, Beatriz Duro. Am Montag versammelten sich in Barcelona anlässlich eines Besuchs von Ministerpräsident Pedro Sánchez etwa 2000 Menschen und forderten wirksame Maßnahmen der Regierung. „Wir wollen kein Trostpflaster, sondern angemessenen Wohnraum“, sagte die Sprecherin der katalanischen Vereinigung von Mieterinnen und Mietern, Carme Arcarazo.

Hier sehen Sie eine Aufnahme der Zwangsräumung:

Die Vereinigung fordert einen Stopp für Mieterhöhungen, ein Verbot befristeter Mietverträge und Maßnahmen gegen Zwangsräumungen. Sánchez hatte zuvor ein Wohnpaket angekündigt, allerdings fehlt der Regierung eine Mehrheit im Parlament. Ein ähnliches Gesetz war bereits im Parlament gescheitert.

700.000 Wohnungen fehlen landesweit
In Madrid wurden Protestcamps durchgeführt. Hunderte Menschen errichteten Zelte. Die Mieten seien „völlig verrückt“, sagte eine Demonstrantin. „Es ist eine absolut untragbare Situation.“ Drastisch gestiegene Mieten und Wohnraummangel sind laut Umfragen seit geraumer Zeit die drängendsten Probleme der Bevölkerung. Laut dem Immobilienportal Idealista haben sich die Durchschnittsmieten in Spanien in zehn Jahren fast verdoppelt. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen.

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