Seit Mittwoch kämpfen 48 junge Fachkräfte aus Österreich in Shanghai um die Weltmeistertitel in ihren Berufen. Über eine Million Besucher und strenge Juroren aus aller Welt schauen ihnen dabei auf die Finger. Die „Krone“ ist live dabei.
Das sechsgängige Fine-Dining-Menü am Donnerstag ist perfekt abgelaufen. Hannes Sortsch aus Oberneukirchen (OÖ) beendet mit Selbstvertrauen den dritten von vier Tagen der Berufsweltmeisterschaften WorldSkills in der chinesischen Mega-City Shanghai. „Es ist auch beim Sensorik-Test gut gelaufen. Wir mussten zwölf Schüsseln mit Kräutern an Geruch und Geschmack erkennen.“ Am Samstag steht unter anderem das Zerlegen eines Hendls und eines Fisches an. „Ich gehe mir später Gemüse kaufen, um im Hotelzimmer noch das Schneiden zu üben“, erzählt der 21-Jährige.
Vater fiebert leidenschaftlich mit
Normalerweise verwöhnt Hannes Sortsch seine Gäste in Steyr im Restaurant Lukas Kapeller. Der Ehrgeiz hatte ihn schon bei den Lehrlingswettbewerben gepackt. Papa Olivier Sortsch ist ebenfalls Koch und hat den Sohn von Anfang an unterstützt – natürlich auch vor Ort in Shanghai. „Wir haben als Vorbereitung ein Training mit Jing Chen, einem Wiener Koch mit 185.000 Instagram-Followern und chinesischen Wurzeln, organisiert.“
Die Teilnehmer sind Vorbilder für die nächste Generation und begeistern für die Berufsbildung. Wir zeigen, wie stark unsere Wirtschaft ist.
SkillsAustria-Geschäftsführer Jürgen Kraft
Dazu kamen monatelange offizielle Vorbereitungen. Schon bei den Euroskills 2025 in Herning war Hannes auf Medaillenkurs, doch im letzten Moment passierte ein folgenschwerer Fehler und er verpasste das Stockerl um den Bruchteil eines Punktes. „In Shanghai ist die Konkurrenz groß. Mein Ziel sind die Top-10“, sagt der junge Koch.
Über eine Million Zuschauer werden erwartet
Von Mechaniker Keanu Frick aus Vorarlberg bis zum steirischen Logistiker Paul Zadravec ist man im National Convention and Exhibition Center gut und gerne eine halbe Stunde oder länger unterwegs, schiebt sich durch zwischen Tausenden in Schuluniform gekleideten chinesischen Schülern auf einer Fläche, die 20-mal so groß ist wie die Grazer Messe. 1,2 Millionen Besucher werden hier insgesamt erwartet. Österreich stellt das größte Team aus Europa und ist in 42 von 62 Berufen vertreten – aber es geht nicht nur um Medaillen, sagt Skills-Geschäftsführer Jürgen Kraft. „Die Teilnehmer sind Vorbilder für die nächste Generation und begeistern für die Berufsbildung. Wir zeigen, wie stark unsere Wirtschaft ist.“ 300 Fans, mit rot-weiß-roten Schals ausgestattet, sind zur Unterstützung mit ins Jangtse-Delta gereist.
Noah Trettenbrein aus St. Paul im Lavanttal in Kärnten vertritt Österreichs Hochbauer. Er muss 600 Ziegel verarbeiten, unter anderem zu einer Mauer, die den kleeblattförmigen Grundriss des Messegeländes und die Zahl 2026 zeigen. Für jeden falschen Millimeter gibt es Punkteabzug. „Ich habe präzise gearbeitet, aber fehlerfrei kommt bei so einem Bewerb niemand durch“, zieht er am Freitag eine Zwischenbilanz. „Das Niveau ist insgesamt sehr hoch.“ Vorab hat er 13 Stunden am Tag trainiert. Als Unterstützung sind neben seiner Familie auch sein Chef und seine Chefin angereist.
Lebenstraum geht in Erfüllung
Kunstvoll geht es bei den Konditoren zu: Die erste Gruppe hat am Mittwoch und Donnerstag mit Bambus essenden Pandas aus Zucker vorgelegt. Am Freitag startete auch Valentina Otzelberger aus Leopoldsdorf (NÖ). „Das Wichtigste ist jetzt, ruhig zu bleiben und dem eigenen Zeitplan so gut wie möglich zu folgen“, sagt sie.
Für Valentina geht mit der Teilnahme am Bewerb ein Traum in Erfüllung, für den sogar ihre Großeltern in den Flieger gen Osten gestiegen sind. „Seit sie elf Jahre alt ist, will sie bei den Skills mitmachen“, erzählt ihre Mutter Yvonne Otzelberger. „Für sie ist der Beruf pure Leidenschaft. Sie fährt ihr Tempo, und ich kann sie als Mama dabei nur begleiten.“
Für Valentina ist der Beruf pure Leidenschaft. Sie fährt ihr Tempo, und ich kann sie als Mama dabei nur begleiten

Mutter Yvonne Otzelberger
Bild: Hannah Michaeler
Valentina hat mit 21 Jahren eine mit Auszeichnung abgeschlossene Meisterprüfung und einen Job als Abteilungsleiterin in der Kurkonditorei Oberlaa in Wien in der Tasche – und ab Sonntag vielleicht sogar den Weltmeistertitel. „Sie will junge Menschen begeistern und zeigen: Der Job ist essbare Kunst ohne Grenzen.“
Am Sonntagabend (Ortszeit) entscheidet sich, ob Sortsch, Otzelberger, Trettenbrein und die 45 anderen Teilnehmer mit Edelmetall nach Wien zurückkehren.
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