Gletscher verschwinden, Wege brechen weg, die Gefahr von Spaltenstürzen steigt: Im Rahmen der ersten internationalen Bergtage in Wien schlagen die alpinen Vereine Alarm, denn der Bergsommer 2026 zeigt eindrucksvoll, wie rasant sich Österreichs Bergwelt verändert.
19 Gletscherspaltenstürze wurden heuer zwischen 1. Mai und 13. September registriert. Im Zehnjahresmittel sind es gerade einmal sieben. Ein Mensch kam dabei ums Leben. Blankeis, instabile Schneebrücken und tauender Permafrost machen aus bekannten Hochtouren in Österreichs Bergen zunehmend eine neue Herausforderung.
Doch nicht nur die Sicherheit ist betroffen. Auch die Infrastruktur gerät unter Druck. Am Dachstein sind seit 1850 rund 70 Prozent der Gletscherfläche verschwunden. Allein zwischen 2006 und 2025 verloren drei große Gletscher dort 116 Millionen Kubikmeter Eis.
Und damit verschwindet die Grundlage für Wege und Zustiege. Routen zur Dachsteinspitze sowie zu Seethaler- und Simonyhütte müssen immer wieder angepasst oder neu gesichert werden.
Wasser wird zum Problem
Besonders deutlich wurde die Entwicklung heuer bei den Hütten. Lange Trockenperioden und fehlende Schneereserven ließen Quellen versiegen. Einzelne Hütten mussten wegen Wassermangels sogar schließen. Zisternen, neue Quellenfassungen und Regenwassernutzung werden zur Notwendigkeit.
Auch die Wegehalter kämpfen mit immer größeren Herausforderungen. Rund 50.000 Kilometer alpine Wege betreuen Österreichs Vereine – überwiegend ehrenamtlich. Gleichzeitig steigen die Baukosten, Extremwetter verursacht Schäden und tauender Permafrost sorgt für Steinschlag und Felsstürze.
In Österreich gibt es 422 Schutzhütten, 272 davon in alpiner Lage. Drei bis vier Hütten können von den Vereinen im Schnitt pro Jahr nicht mehr weitergeführt werden.
„Der Berg hat sich verändert“
„Der Berg hat sich verändert, und die Vorbereitung vieler Bergsteiger hält damit nicht Schritt“, warnt Gerald Dunkel-Schwarzenberger, der Präsident des Verbandes alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ). Und auch Alpenvereins-Präsident Wolfgang Schnabl sieht dringenden Handlungsbedarf: „Unsere Wege und Hütten wurden für einen Berg gebaut, den es in dieser Form nicht mehr gibt.“
Für Wanderer und Bergsteiger bedeutet das: Touren von gestern sind nicht automatisch Touren von heute. Firn kann zu Blankeis geworden sein, Schneebrücken können früher aufreißen und vermeintlich sichere Grate durch auftauenden Permafrost gefährlich werden.
Die Vereine fordern deshalb nicht nur bessere Information und Ausbildung, sondern auch eine langfristige Finanzierung der alpinen Infrastruktur. Für 2026 und 2027 stehen 15,44 Millionen Euro an Förderungen bereit. Der Verband alpiner Vereine Österreichs fordert darüber hinaus 95 Millionen Euro über fünf Jahre.
Denn eines wird immer deutlicher: Der Klimawandel verändert nicht nur das Gesicht der Berge – sondern auch die Regeln, nach denen wir sie besteigen.
Internationale Bergtage: Die Berge von morgen
Wie der Alpinismus mit diesen Veränderungen umgehen kann, steht auch im Mittelpunkt der Internationalen Bergtage Wien, die bis 27. September stattfinden. Unter dem Motto „Alpinismus im Wandel“ diskutieren Experten aus mehreren Ländern über Klimawandel, Sicherheit, klimafreundliche Mobilität und die Zukunft des Bergsports. Veranstaltet werden die Bergtage vom Alpenverein Austria und den Naturfreunden Wien, getragen vom Verband alpiner Vereine Österreichs. Zum Auftakt wurde der internationale Alpinismuspreis der Paul Preuß Gesellschaft an den slowakischen Bergsteiger Igor Koller verliehen.
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