Premiere in OÖ

Notarzt-Helikopter fliegt ab Freitag auch nachts

Oberösterreich
21.09.2026 14:47

Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es in diesem Fall gut ein Jahr: Ab Freitag hat Oberösterreich seinen eigenen Notarzthubschrauber, der auch in der Nacht zu Einsätzen startet. Bisher wurde unser Bundesland von NÖ und der Steiermark mitversorgt. Der ÖAMTC rechnet mit jährlich 250 Einsätzen. 

Der Landeshauptmann und seine Stellvertreterin waren extra nach Suben gekommen: Dort versammelten sich am Montag die Spitzen von ÖAMTC, ADAC, Rotem Kreuz, Bergrettung und Vertreter der Polizei, um den Startschuss für ein besonderes Projekt zu geben. Ab Freitag verfügt Oberösterreich in Kooperation mit Bayern über einen eigenen 24/7-Hubschrauber. Das heißt: Die Crew des Rettungshubschraubers Christophorus Europa 3 startet rund um die Uhr zu Einsätzen. 

Bisher starteten die Rettungshubschrauber an den oberösterreichischen Stützpunkten nur tagsüber: der Christophorus 10 von Hörsching (Bezirk Linz-Land) aus und der Christophorus Europa 3 ab Suben (Bezirk Schärding). Der Christophorus 10 wird weiterhin nur tagsüber im Einsatz sein, der Christophorus Europa 3 künftig rund um die Uhr. 2025 hob der Helikopter von Suben aus zu 1.523 Rettungsflügen im Tagbetrieb ab. Durch den Nachtbetrieb erwartet man knapp 250 zusätzliche Einsätze pro Jahr.

Die Lage Subens an der Grenze zu Deutschland bot sich für ein länderübergreifendes Projekt an. Der Christophorus Europa 3 wird daher auch Einsätze in Bayern fliegen und ist damit einer von europaweit nur zwei grenzüberschreitend arbeitenden Rettungshubschraubern. Die Vorbereitungen brauchten nicht nur wegen der unterschiedlichen rechtlichen Voraussetzungen und Finanzierungssysteme in Österreich und Bayern Vorlaufzeit, sondern man benötigte auch zusätzliches, für nächtliche Einsätze ausgebildetes Personal und technische Anpassungen, wie etwa eine spezielle Innen- und Instrumentenbeleuchtung.

Ein Beispiel aus der Praxis: Bei den Schuldungen der Crews mussten Notärzte und Notfallsanitäter sowohl auf der Deutschen, als auch auf der österreichischen Maschine von ADAC bzw. ÖAMTC geschult werden. Besonderheiten gibt es etwa bei der Handhabung des Sprechfunkverkehrs mit den jeweiligen Leitstellen. 

Eine Vereinbarung zwischen dem Land Oberösterreich und dem Christophorus Flugrettungsverein sowie der Österreichischen Gesundheitskasse regelt seit 2012 die Finanzierung der Flugrettung. Der 24/7-Betrieb schlägt sich für das Land mit zusätzlichen 2,25 Millionen Euro pro Jahr zu Buche. Durch die Kooperation mit Bayern, tragen auch die deutschen Krankenkassen zum Betrieb in Suben bei.

„Medizinische Notfälle kennen keine Uhrzeit“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer am Montag in einer Pressekonferenz in Suben, „deshalb ist es entscheidend, dass die Menschen in Oberösterreich rund um die Uhr auf rasche und professionelle Hilfe zählen können.“ Seine für Gesundheit zuständige Stellvertreterin Christine Haberlander (beide ÖVP) betonte, dass Spitzenmedizin zunehmend in Zentren erbracht werde und es das Ziel sei, den schnellstmöglichen Transport dorthin aus allen Regionen zu gewährleisten. Die Flugzeit aus Braunau in die Kliniken Wels-Grieskirchen oder in das Kepler Universitätsklinikum in Linz betrage etwa 20 bis 30 Minuten, hieß es.

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