Kulinar(r)isch on Tour

Ein Oberösterreicher kocht hier mitten im Paradies

Oberösterreich
20.09.2026 13:00

Pulpo auf Wasabipüree, köstliches Heilbuttgulasch und dazwischen sogar ein Schnitzel: Was ein Vöcklabrucker auf Mallorca auf die Teller zaubert, macht definitiv Lust auf mehr. „Kulinar(r)isch“ besuchte Dieter Sögner in seinem „Colón“ in Portocolom – und traf den beeindruckenden Koch, der nach Jahrzehnten am Herd auch sein ganz persönliches Rezept für ein gutes Leben gefunden hat.

Boote schaukeln im Hafen, die Sonne spiegelt sich im tiefblauen Meer und über Portocolom liegt diese herrliche Ruhe, wegen der man auf Mallorca plötzlich vergisst, wie spät es eigentlich ist. Genau hier hat ein Oberösterreicher seinen Platz gefunden. Dieter Sögner betreibt das „Colón“ – österreichische Wurzeln treffen dort auf mediterranes Lebensgefühl und eine Küche, die von beidem etwas mitbekommen hat.

1984 begann er seine Kochlehre
Für „Kulinar(r)isch“ hieß es diesmal also Koffer packen. Sögner stammt aus Vöcklabruck und begann 1984 seine Kochlehre bei niemand geringeren als Karl Eschlböck. Die Ausbildung war damals mitunter ziemlich rau, geprägt hat sie ihn trotzdem. Heute führt Sögner ein 18-köpfiges Team und steht noch immer gerne selbst in der Küche. Vor allem morgens bei den Vorbereitungen: Fisch zerlegen, portionieren, Knochen rösten, Fonds und Suppen ansetzen. Und genau das schmeckt man.  Seine Linie beschreibt er als mediterran mit österreichischem Einschlag.

Die Terrasse des „Colon“ in Portocolom auf Mallorca.
Die Terrasse des „Colon“ in Portocolom auf Mallorca.(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

Pulpo und Heilbuttgulasch
Bei meinem Besuch landet unter anderem zarter Pulpo auf Wasabipüree und ein herrlich sämiges Heilbuttgulasch auf dem Tisch. Daneben reicht die Karte von Wildlachs auf Safranfenchel über Thunfischtatar mit Mango und Wakame bis zur Seezunge. Und weil man seine Herkunft auch unter Palmen nicht völlig abschüttelt, gibt es selbstverständlich auch Schnitzel.

Appetit auf Heimat
Viele Gäste kommen seit Jahren, manche Familien bereits in der dritten Generation. Sögner weiß: Wer länger auf der Insel lebt, bekommt irgendwann wieder Appetit auf Heimat. Er selbst kennt das bestens. Kaum zurück in Österreich, zieht es ihn zum Leberkäse.

(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

Irgendwann änderte er den Kurs
Überhaupt hat der Oberösterreicher auf Mallorca eine Mischung gefunden, die ihm liegt. Das Colón war lange elf Monate im Jahr geöffnet. Irgendwann änderte Sögner den Kurs. Heute sperrt er nur noch von Anfang März bis Ende Oktober auf. Nicht, weil ihm die Gastronomie keinen Spaß mehr machen würde. Ganz im Gegenteil. Sondern weil nach Jahrzehnten im Beruf etwas anderes wertvoller geworden ist.

(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)
(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)
(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)
(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

Heute wolle er „viel mehr Ruhe haben“
„Ich bin ja auch 35 Jahre lang 16 Stunden in der Küche gestanden“, erzählt er. Heute wolle er „viel mehr Ruhe haben“. Und dann fällt jener Satz, der wohl besser als jede Postkartenweisheit erklärt, warum Sögner auf Mallorca angekommen ist: „80 Prozent stehen auf und müssen zur Arbeit. Stell dir vor, du hast das Pech, dass du dein ganzes Leben zur Arbeit musst.“ 

Im Winter in Österreich zum Skifahren
Bei ihm klingt das nicht nach Kalenderspruch. Eher nach der Bilanz eines Mannes, der lange genug geschuftet hat, um zu wissen, dass Erfolg allein noch kein gutes Leben ausmacht. Sögner und seine Frau verbringen während der Saison beinahe jeden Tag im Betrieb. Inzwischen wohnen sie nicht mehr direkt über dem Restaurant, sondern auf ihrer Finca. Ein bisschen Abstand müsse schließlich sein. Österreich bleibt trotzdem Heimat: Seine Eltern kommen mehrmals im Jahr zu Besuch, zu Weihnachten geht es zurück und danach traditionell zum Skifahren. 

Hier lässt es sich leben: Die Aussicht vom „Colon“ aus.
Hier lässt es sich leben: Die Aussicht vom „Colon“ aus.(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

Ein ganz besonderes Lebensgefühl
Vielleicht ist genau diese Mischung das Geheimnis des Colón. Ein bisschen Mallorca, ein bisschen Oberösterreich. Heilbutt und Pulpo treffen auf Schnitzel, mediterrane Leichtigkeit auf österreichisches Küchenhandwerk. Und Dieter Sögner steht irgendwo dazwischen.

Nicht ausgewandert, um seine Herkunft hinter sich zu lassen. Sondern angekommen an einem Ort, an dem er kochen kann, wie er will – und mittlerweile auch leben, wie er will.

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