Der Erler Langzeit-Bürgermeister Georg Aicher-Hechenberger schaut offenbar weit über den Tellerrand hinaus und prangert in der aktuellen Gemeindezeitung die Weltenlenker an – „weil es in der Brust brennt“, schilderte er auf „Krone“-Nachfrage.
Neue Gehsteige, die Kanalisation, die Kosten nach Unwetterschäden – solche Themen spricht ein Tiroler Bürgermeister üblicherweise in der gemeindeeigenen Zeitung an.
Bürgermeister kennt die große Festspiel-Bühne
Eine Ausnahme ist Georg Aicher-Hechenberger, Langzeit-Bürgermeister aus Erl (seit 1998), der die große Festspielbühne mit illustren Prominenten kennt, aber auch zur derzeit aus den Fugen geratenen Weltbühne nicht schweigt. Konkret in der jüngsten Ausgabe des „Erler Boten“.
Eine einzige falsche Handlung kann zu einer Katastrophe führen.

Georg Aicher-Hechenberger zur Weltlage
Bild: Charly Lair, Die Fotografen
Auch unsere Wirtschaftsleistung leide massiv
Von einer örtlichen Gedenkveranstaltung beim Kriegerdenkmal spannt er im Vorwort den Bogen zur kriegerischen Weltpolitik. Er prangert „geopolitische Machtfantasien“ des russischen Präsidenten an, die versuchte Neuordnung der Welt sei bedrohlich. Auch jenseits des Atlantiks ortet er irrationale Handlungsträger am Werk – etwa bei den Angriffen auf den Iran. „Das vernichtet auch unsere Wirtschaftsleistung“, spielt er auf die explodierenden Ölpreise an. Und ja, das Ganze sei viel gefährlicher, als die meisten registrieren würden.
Konkret schreibt er: „Bleibt zu hoffen, dass die amerikanischen Zwischenwahlen im November ein Ergebnis bringen, welches Präsident Trump unmittelbar ein Amtsenthebungsverfahren beschert.“ Nur ein Sieg der Demokraten führe wieder zu Rechtsstaatlichkeit.
„Den Mund halten zur Lage ist für mich keine Option“
Warum diese deutlichen Worte aus einem 1600-Einwohner-Dorf in Richtung USA (250 Millionen Einwohner) und Russland (145 Millionen)? „Weil diese Themen in der Brust brennen“, erklärt er auf „Krone“-Nachfrage. Den Mund halten und „alles akzeptieren“ sei für ihn keine Option, denn: „Eine einzige falsche Handlung kann zu einer Katastrophe führen.“ Und ihm sei egal, ob dieses Vorwort nun „Balsam für jemanden“ sei oder eben das Gegenteil. Mit seiner Gastgeber-Rolle bei den Festspielen und dem Publikum, das manche seiner Sichtweisen wohl teilt, habe dies alles aber nichts zu tun.
Der Beitrag endet dann doch noch mit einem dörflichen Aspekt – mit der Ankündigung eines nachmittäglichen Kindergartenangebotes und den Kosten dafür (1,20 Euro pro Stunde). Spannend wäre zu wissen, was die Menschen in Erl wohl mehr bewegt ...
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