Aktuelle Statistik

Darum sind heuer viel mehr Privatpersonen pleite

Tirol
16.09.2026 19:00

Ein „Effekt“ nach einem besonderen Vorjahr sorgt heuer für ein deutliches Minus bei den Firmenpleiten in Tirol. Stark gestiegen ist in den ersten neun Monaten allerdings die Zahl der Privatinsolvenzen. Das hat einen konkreten Grund.

Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV) bedeuten die 228 Insolvenzen (aktuelle Hochrechnung) in den ersten neun Monaten einen Rückgang um 26,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf den ersten Blick ist das erfreulich, doch die Zahlen sind vor dem Hintergrund der außergewöhnlich vielen Pleiten in den ersten drei Quartalen 2025 zu sehen und relativieren sich damit.

Kriege und trübe wirtschaftliche Lage im Nachbarland
Generell sieht der KSV die wirtschaftliche Lage weiter angespannt – etwa durch die Kriege in der Ukraine und dem Iran sowie der getrübten Lage in Deutschland. Jeweils 40 Insolvenzen entfielen in Tirol auf die Branchen Gastronomie und Handel, dahinter folgte die Transportbranche mit 26 Insolvenzen.

Mehr Privatinsolvenzen wegen Zahlungsfrist
Zu den Privatinsolvenzen in Tirol: Laut KSV-Hochrechnung wurden in den ersten drei Quartalen 646 Schuldenregulierungsverfahren gezählt (plus 31 Prozent). Das ist nach einem mehrjährigen konstanten Bild (trotz höherer Energie- und Wohnkosten) auf den ersten Blick überraschend.

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Der entscheidende Impuls kam letztlich nicht von der wirtschaftlichen Belastung, sondern von der Uhr.

Klaus Schaller, Kreditschutzverband von 1870

Doch der Grund für den aktuellen Anstieg der Privatpleiten ist für Klaus Schaller vom KSV in Tirol recht eindeutig: „Als vielen hoch verschuldeten Personen bewusst wurde, dass eine Entschuldung mit einer dreijährigen Zahlungsfrist nur noch bis Mitte Juli 2026 möglich sein würde, kam Bewegung in eine Gruppe, die ihren Schritt in die Schuldenregulierung bislang aufgeschoben hatte. Für viele hoch verschuldete Personen entstand damit erstmals ein konkreter Handlungsdruck.“

Letzter Schritt zur Entschuldung blieb lange aus
Die Entwicklung zeige damit auch eine bemerkenswerte Diskrepanz: Die finanzielle Situation vieler Betroffener habe sich zwar verschärft, der Weg in die formelle Entschuldung wurde dennoch vielfach nicht beschritten. Erst die bevorstehende Änderung der Rahmenbedingungen habe nun den Ausschlag gegeben. 

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