Pilotprojekt gestartet

20 Tonnen Ladenhüter bekommen eine dritte Chance

Niederösterreich
16.09.2026 11:00

Rund 20 Tonnen gespendete Kleidung fanden in den Henry-Läden selbst nach mehreren Versuchen keine Käufer. Das Rote Kreuz Niederösterreich und Saubermacher testen nun, ob daraus wieder Textilien, Dämmstoffe, Möbel oder Autozubehör werden können.

Manches Kleidungsstück findet selbst zum Schnäppchenpreis keinen neuen Besitzer. Was weder verkauft noch anderweitig weitergegeben werden kann, soll künftig zumindest als Rohstoff erhalten bleiben. Das Rote Kreuz Niederösterreich und das Recyclingunternehmen Saubermacher haben dafür ein gemeinsames Pilotprojekt gestartet.

Ein Jahr lang werden rund 20 Tonnen Alttextilien aus den 37 Henry-Läden in Niederösterreich untersucht. Die Kleidungsstücke entsprechen zwar den Qualitätsanforderungen, fanden aber selbst nach mehreren Verkaufsversuchen und Preisnachlässen keine Abnehmer.

Wiederverwendung bleibt erste Wahl
Bevor die Kleidung in das Projekt gelangt, werden alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft. Geeignete Stücke gehen weiterhin an lokale Sozialvereine oder werden bei karitativen Hilfseinsätzen verwendet – beispielsweise nach Hochwasserkatastrophen. Erst was auch dafür nicht benötigt wird, kommt zu Saubermacher.

Zitat Icon

Wir wollen herausfinden, welche Textilien sich für welchen Recyclingweg eignen und wo die technischen und wirtschaftlichen Grenzen liegen.

Andreas Opelt, Geschäftsführer von Saubermacher

Dort wird die Kleidung zunächst sortiert und auf ihre Zusammensetzung untersucht. Gerade die große Vielfalt der verwendeten Materialien macht das Recycling schwierig. Baumwolle, Polyester und unterschiedliche Mischgewebe lassen sich nicht alle auf dieselbe Weise verarbeiten.

Aus alter Kleidung sollen neue Produkte werden
Im Idealfall werden Fasern aus den Alttextilien so aufbereitet, dass daraus wieder Garn oder neue Kleidungsstücke entstehen können. Ist das nicht möglich, sollen andere Verwertungswege geprüft werden. Denkbar sind etwa Dämmstoffe, Möbel, Akustikpaneele oder Zubehör für die Autoindustrie. Nur wenn weder eine Wiederverwendung noch eine solche stoffliche Verwertung technisch oder wirtschaftlich sinnvoll ist, bleibt als letzte Möglichkeit die Verbrennung.

Während des zwölfmonatigen Pilotprojekts werden Materialzusammensetzungen, mögliche Recyclingwege und deren Grenzen dokumentiert. Die gewonnenen Daten sollen zeigen, welcher Anteil der Kleidung tatsächlich im Kreislauf gehalten werden kann.

Für Spender und Kunden der Henry-Läden ändert sich durch das Projekt nichts. Der Wiederverkauf geeigneter Kleidungsstücke hat weiterhin Vorrang. Die Erlöse aus den Second-Hand-Läden fließen in soziale Projekte der Rotkreuz-Bezirksstellen und in die Spontanhilfe.

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