Der Jahresbericht der Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) rüttelt wach und zeigt auf, wie Influencer hier lebende Muslime beeinflussen. Waren früher Islamisten gerne im Outfit wie zu Zeiten des Propheten unterwegs, zeigen sie sich heute sportlich und durchtrainiert.
Die Männer lassen im Fitnessstudio ihre Muskeln spielen. Denn körperliche Fitness und „islamische Männlichkeit“ gehören untrennbar zusammen, genauso wie persönliche Disziplin und Selbstkontrolle oder beruflicher Erfolg und Unternehmertum. Außerdem haben auch Partnerschaften „halal“ zu sein. Über Influencer, staatliche Religionsbehörden aus dem Ausland bis hin zur gezielten Beeinflussung von digitalen Wissensbeständen wie etwa Wikipedia versuchen islamistische Akteure Einfluss zu nehmen.
Instagram, TikTok und YouTube
Als Plattformen dienen Instagram, TikTok oder YouTube. Religion wird als Leitfaden für alle Lebensbereiche präsentiert – egal, ob Glaubensfragen, Ernährung, Kleidung, Karriere, Partnerschaft und Familie.
Dabei ist die Vermittlung religiöser Normen und Lebensmodelle mit wirtschaftlichen Interessen verknüpft. Angeboten wird eine breite Palette an Seminaren, Coaching-Programmen und Merchandise-Produkten. In der Sprache der Jugendkulturen wird junges Publikum im deutschsprachigen Raum angesprochen.
Der Islam als Geschäftsmodell
Auf den ersten Blick wirken die Veranstaltungen harmlos. Doch wer genauer hinsieht, merkt, dass ein religiöses Weltbild vermittelt wird, das den Islam als umfassendes Geschäftsmodell präsentiert. Der Westen wird als orientierungslos bzw. als dem Niedergang geweiht beschrieben.
„Wahre Männlichkeit“
Durch festen Glauben, Selbstoptimierung und strenge Disziplin soll eine „maskuline Exzellenz“ erreicht werden. Ein Beispiel ist das Projekt „Rujulah 1000“, das von einer Führungspersönlichkeit der salafistischen Missionierungsorganisation (IMAN) ins Leben gerufen wurde. Die Initiative bietet Kurse an und propagiert das Streben nach „wahrer Männlichkeit“.
Business und Gebete
Durch gemeinsame Gebete, Business- und Networking-Events unter Gleichgesinnten, wie etwa bei der „United Konferenz“, wird das Angebot religiös aufgeladen sowie gleichzeitig ein niederschwelliger Zugang zu religiös geprägten Gemeinschaften geschaffen, aus denen neue Mitglieder rekrutiert werden sollen.
Die liberalen Demokratien in Europa müssen sich der Herausforderung stellen. Es ist wichtig, die Methoden und Strategien des politischen Islams zu durchschauen.

Lisa Fellhofer, DPI-Direktorin
Bild: Evelyn Lynam
Herausforderung für liberale Demokratien
Darüber hinaus verknüpfen Sportmarken wie „Deenathletic“ den Fitnessbereich mit einem islamistischen Lebensstil. Das bei diesen Angeboten vermittelte Weltbild beinhaltet immer wieder extremistische Elemente und dient dem Aufbau paralleler Strukturen fernab liberaler und demokratischer Gesellschaftsentwürfe.
Für Aufsehen sorgte auch die Vorsitzende der einflussreichen Bildungsstiftung NUN und Tochter des türkischen Präsidenten Erdoğan, Esra Albayrak, beim „World Decolanization Forum“ im Mai 2026 in Istanbul. Sie forderte, die von Europa dominierte Wissensordnung zu „dekolonialisieren“ sowie die „islamischen Zivilisationswerte“ stärker anzuerkennen.
Enorme Auswirkungen
Dieses Weltbild hat nicht nur Auswirkungen auf die türkische Innenpolitik, sondern laut DPI-Jahresbericht auch auf die Integrationspolitik in Ländern mit einem großen Anteil an türkischstämmigen Minderheiten.
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