Das Erfolgsprodukt „SOKO Linz“ startet Dienstag, 8. September, um 20.15 Uhr auf ORF 1 in seine fünfte Saison. In der vierten Staffel stieß Angelika Niedetzky als Inspektorin Biggi Obergschwendtner zum Team und sorgte für eine neue, humorige Note im Quoten-Erfolgsgespann. Wir haben nachgefragt, was sich jetzt alles ändern wird.
„Krone“: Frau Niedetzky, während bei uns die fünfte Staffel von „SOKO Linz“ anläuft, drehen Sie gerade die sechste ab. Wirkt das manchmal wie eine Parallelwelt?
Angelika Niedetzky: Man kommt schnell durcheinander, aber ich habe natürlich noch mal in die Folgen der fünften Staffel geschaut und dann merkt man, wie schnell die Zeit vergeht. Ich erinnere mich aber noch sehr gut an alles, was im letzten Jahr beim Dreh passiert ist.
Sie sind gebürtige Linzerin, die in der Rolle der Inspektorin Biggi Obergschwendtner in der alten Heimat dreht. Ist es die richtige Rolle für die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort?
Als das ZDF damals ausgestiegen ist, hat die Serie mehr österreichisches Lokalkolorit bekommen. Es ist eben „SOKO Linz“ und keine „SOKO Hamburg“ und ohne mich selbst rühmen zu wollen, passt das mit mir, glaube ich, ganz gut zusammen. Es war Glück und ein toller Zufall, dass sich das ergeben hat und zusätzlich ist die Zusammenarbeit mit Katharina Stemberger so toll. Wir wohnten in Wien fast nebeneinander, haben uns aber vor dem Casting noch nie in unserem Leben getroffen – wir wussten gerade einmal von unserer jeweiligen Existenz. Wir verstanden uns aber auf Anhieb gut und daraus entstand eine wahre Freundschaft. Dadurch entstehen auch die Lust und die Möglichkeit, die Figuren weiterzuentwickeln, besser zu machen oder am Set spontane Schmähs einzubauen. Dass sich die beiden Hauptprotagonistinnen so gut verstehen und wirklich mögen, transportiert sich auf die Zuschauer.
Da geht die Realität in die Fiktion über und vice versa. Beim Dreh zur fünften Staffel, der zweiten gemeinsamen, war die Harmonie wahrscheinlich noch besser?
Man wächst zusammen, und wir haben uns richtig auf die fünfte Staffel gefreut. Bei der vierten wussten wir noch nicht so im Detail, was uns erwartet, und man tastet sich heran. Ich habe schnell festgestellt, wie angenehm und lässig das ganze Team ist. Das ist ein Riesenglück, denn ich befinde mich jetzt in einem Alter, wo ich schon auf ein paar Dekaden Karriere zurückblicke und viele Regisseure, Aufnahmeleiter und Assistenten kennenlernte. Ich brauche es heute wirklich nicht mehr, dass irgendwer herumschreit, garstig ist oder blöd hinter dem Rücken über einen redet. Dieses Team hält zusammen, die Leute hinter der Kamera haben teilweise auch schon „SOKO Kitzbühel“ gemacht. Hier wuseln viele Erdmännchen auf einem Haufen herum und es funktioniert prächtig. Wenn man fast fünf Monate lang fünfmal die Woche von sechs bis 18 Uhr aufs Set geht, ist das ungemein wichtig. Ich freue mich auf jeden einzelnen Drehtag und das ist wirklich Gold wert.
Da verbinden sich dann Hobby und Beruf?
Ich bin sehr dankbar, denn wir wissen, dass der ORF nicht gerade den Geldspeicher von Dagobert Duck im Rücken hat. Der Song Contest hat das Ganze noch einmal stärker geschröpft und am Ende trifft es halt auch uns Darsteller, bei denen dann die Produktionen verschoben oder gestrichen werden. „SOKO Linz“ hat aber so tolle Quoten wie nie zuvor und die Serie rennt ohne große Veränderungen erfolgreich weiter. Das ist ein Geschenk. Ich bin einfach dankbar und fühle mich rundum wohl.
Es ist nicht selbstverständlich, dass Quoten bei einer Serie von Staffel zu Staffel steigen - normal geht es eher in die andere Richtung. Fühlen Sie den Erfolgsdruck im Hinblick dessen, dass der ORF immer mehr sparen muss?
Absolut, aber das erweckt auch meinen Ehrgeiz in besonderem Sinne. Jede einzelne Szene muss sitzen und da sind auch die Drehbuchautorinnen vorab gefragt. Das Schöne ist, dass wir uns alle immer besser kennenlernen und uns die Rollen noch besser, geschmeidiger und lustiger auf den Leib schreiben können. Deshalb gibt es vor dem Dreh auch Leseproben, wo man sich mit den Autorinnen und Autoren gemeinsam austauscht. Da kann man auch sagen, was man sich wünscht. Kathi spielt etwa Cello, ich Geige und gehe gerne joggen. Diese Dinge kann man dann in die Rolle einbauen. Dazu haben wir in dieser fünften Staffel wirklich schöne Dreh-Locations gehabt. Etwa die Linzer Eisarena, eine Skisprungschanze und es wird auch ein Blick ins Rotlichtmilieu geworfen. Da haben sich die Autorinnen wirklich wieder etwas einfallen lassen, wodurch die Serie emotionaler, spannender und auch lustiger wird. Der Spaß ist mir persönlich sehr wichtig, man sollte bei Krimiserien auch schmunzeln können.
Das macht auch das österreichische Lokalkolorit aus – der Schmäh ist ja immer vorhanden. Lernen Sie als gebürtige Linzerin, die schon lange in Wien lebt, Ihre alte Heimat auch noch einmal neu kennen?
Ich bin im Linz der 80er- und 90er-Jahre aufgewachsen, das ist mit heute nicht mehr vergleichbar. Die Stadt bekam 2009 als europäische Kulturhauptstadt noch einmal einen kräftigen Schub und seither hat sich wieder viel weiterentwickelt. Ich wohne drüben in Urfahr und fahre viel mit dem Rad durch die Stadt, schaue sie mir mit neuen und erwachsenen Augen an. Es tut sich was, das Leben pulsiert, es passiert kulturell wahnsinnig viel. Ich bin fast das halbe Jahr da und Linz kann Wien Paroli bieten. Linz ist angenehmer, überschaubarer und die Wege sind kürzer - und das Angebot nahezu das gleiche.
Wie haben Sie Ihre Figur der Biggi Obergschwendtner zwischen Staffel vier und Staffel fünf noch verändert bzw. erweitert?
Im Sinne dessen, dass sie sich noch mehr trauen darf. Am Anfang war die Figur neu, da ist man quo Amt sowieso einmal interessiert, wie man sie anlegt und was man damit macht. Für die fünfte Staffel habe ich mir einen Ehrgeiz entwickelt, den Spagat zwischen Drama und Komödie stärker zu bedienen. Ich nutze mein komödiantisches Talent. Vor der Kamera spielt man meist reduzierter, weil alles viel größer wirkt, aber die Figur der Biggi verträgt es, dass man in einem gewissen Maß übertreiben und outrieren darf. Man muss nicht immer alles kreuzbrav spielen und die Regisseure waren auch sehr offen dafür.
2013 waren Sie auch ein Teil von „SOKO Donau“ in Wien – wie unterscheiden sich die beiden Produkte?
Damals war ich eine Taxifahrerin und das ist wirklich schon lange her. Man kann es insofern vergleichen, als die Strukturen die gleichen und die Drehbücher ähnlich aufgebaut sind. Die haben auch immer einen Mordfall zu lösen, so wie wir in Linz. Es sind dort ein paar Leute im Ermittlerteam und sie haben eine Pathologin, wir einen Pathologen. Ich habe aber das Gefühl, dass wir das momentan frischere Team sind. Die „SOKO Donau“ gibt es 20 Jahre und ich will das überhaupt nicht schmälern. Der Erfolg gibt ihnen recht, aber wir sind ein bisschen origineller unterwegs. Ich bin halt eine Linzerin, kann hier im Dialekt sprechen und einfach sein, wie ich wirklich bin.
Ist das damit einhergehend auch Ihre bislang authentischste Rolle?
Ich glaube schon. Sie ist auf jeden Fall am nächsten an mir selbst dran. Wenn mir die Kostümbildnerin eine Hose für die Rolle gibt, ziehe ich die manchmal auch schon privat an. Sie sehen – ich verschmelze langsam mit meiner Figur. (lacht)
Gewinnt bei dieser Verschmelzung am Ende Angelika oder Biggi?
Noch die Angelika. (lacht) Wenn mich meine besten Freundinnen fragen sollten, wo ich gestern zwischen 19 und 21 Uhr war, dann wird es vielleicht langsam kritisch.
In einem Interview habe Sie bereits betont, die fünfte Staffel von „SOKO Linz“ lebt von emotionalen Achterbahnfahrten. Können Sie das präzisiere, ohne zu viel zu verraten?
Zwischen der Biggi und dem Major Pichlwanger köchelt es zunehmend emotional. Das darf und soll natürlich nicht sein, aber die Zuschauer bekommen da viel mehr mit von der Brücke zwischen den beiden. In der fünften Staffel gibt es eine große Wendung, weil ein anderer Mann auftaucht und sich als potenzieller Kandidat für Biggi entpuppt, aber das Ganze geht in eine ganz andere Richtung, die man nicht erwarten würde. Das ist ein wirklich sehr emotionaler und spannender Nebenstrang, der den Autoren brillant gelungen ist. Ich will nur nicht zu viel verraten, was dann dort passiert. Die Rolle dieses Mannes wurde sehr lange gecastet, weil das wirklich sitzen musste.
Bleibt neben den vielen Dreharbeiten für „SOKO Linz“ da überhaupt noch Zeit für anderes im Berufs- und Privatleben?
Ich habe heute einmal Tagesfreizeit, diese Tage sind sehr dünn gesät, aber trotzdem steht am Abend ein Kabarettprogramm an. (lacht) Ansonsten achte ich darauf, dass ich wirklich nichts tue und entspanne. Ich habe mit Freunden ein Boot am Traunsee und verbringe dort im Sommer viele Wochenenden und mache nichts. Dann schaue ich in die Luft, gehe mal in die Berge, mit dem Hund spazieren, schwimmen oder lese ein Buch. Leider ist es dann eh meist das Drehbuch für die nächste Woche. (lacht) Aber das ist allgemein essenzielle Lebenszeit, für die ich mich manchmal zwicken muss, um sie zu nützen. Auch sportliche Betätigung ist mehr sehr wichtig, sie holt mich aus dem Alltag und entspannt mich. Man braucht einen Ausgleich dazu.
Das Nichtstun verlernen wir Menschen leider zusehends …
Wenn man mal Zeit hat, kommt wieder das Gefühl, dass man was tun müsste. Da schleicht sich dann oft das berühmte Burn-out ein und ich bin sehr froh, dass ich dahingehend nicht gefährdet bin.
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