Über viele Jahre hinweg hat der Serbe Novak Djokovic den Tennissport geprägt wie kein zweiter – langsam muss er den jahrelangen Wettbewerbsabnützungen Tribut zollen. Die Prime Video-Doku „Der Wolf im Winter“ zeigt den Superstar aber auch von seinen sanften Seiten. Es ist vielleicht ein Auftakt für mehr.
Ein Abend wie der gestrige bei den US-Open in New York (siehe Sportteil) ist für Novak Djokovic das größte Übel der Welt. Mit 24 Grand-Slam-Titeln, 101 Turniersiegen und der Olympia-Goldmedaille in Paris 2024 ist der erfolgreichste Tennisspieler aller Zeiten und wahrscheinlich einer der komplettesten Sportler überhaupt. Jede Niederlage schnitzt eine tiefe Kerbe in seine mentale Welt – und wenige Monate vor seinem 40. Geburtstag stellt sich die Frage, wie lang dieser „menschliche Cyborg“ tatsächlich noch an der Weltspitze mithalten kann.
Die Doku „Der Wolf im Winter“ versucht in nur 93 Minuten ein Leben voller Extreme unterzubringen. Ausgehend von der Gegenwart und dem drohenden Karriereende wird die Zeit zurückgedreht und man beobachtet, wie aus dem kleinen Novak mit Talent und dem absoluten Willen ein Weltstar wird. Wie er als Kind mit den Eltern vor Bombenangriffe in Belgrad flüchtet und von dort zum weltweiten Superstar wird.
Es ist das Bild eines Zerrissenen, der für die Liebe zum Tennisspielen alles an zweite Stelle setzt, daheim bei Familie und Kindern aber ungeahnt weiche Seiten zeigt und im ständigen Zwiespalt mit sich und seinem Beruf ist, der vielmehr eine Berufung darstellt. „Er ist keiner, der die Fackel an die nächste Generation weitergibt“, sagt ein Journalist, „man muss ihm die Fackel entreißen.“ Der Beste der Welt, der sich selbst nie gut genug ist und mental hadert. Für Djokovic selbst ist die Doku übrigens nur der Beginn von mehr – das hätte dieses Leben auch wahrlich verdient.
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