14.02.2006 23:04 |

Spektakulärer Raub

Prozess um Raub von Munchs "Der Schrei"

Eineinhalb Jahre nach dem spektakulären Raub des Meisterwerks "Der Schrei" von Edvard Munch hat in Oslo der Prozess gegen sechs Verdächtige begonnen. Fünf Männer sind wegen schweren Diebstahls angeklagt, ihnen drohen bis zu 17 Jahre Haft. Ein sechster wegen Hehlerei Angeklagter muss mit bis zu sechs Jahren Gefängnis rechnen. Alle Angeklagten beteuerten am Dienstag zu Prozessauftakt ihre Unschuld.

Im August 2004 waren zwei bewaffnete und maskierte Täter tagsüber in das Munch-Museum in Oslo gestürmt, hatten die weltberühmten Gemälde "Der Schrei" und "Madonna" des norwegischen Expressionisten von der Wand gerissen und waren in einem bereitstehenden Wagen geflohen. Von den Kunstwerken fehlt bis heute jede Spur.

Bei den sechs Angeklagten im Alter zwischen 30 und 39 Jahren handelt es sich nach Überzeugung der Ermittler um einen der beiden Diebe, den Fahrer des Fluchtwagens, den Drahtzieher des Kunstraubes und zwei Komplizen. Ebenfalls angeklagt ist der Besitzer eines Busses, in dem die beiden Gemälde zunächst versteckt wurden. Staatsanwalt Terje Nyboe hatte sich im Vorfeld des Verfahrens überzeugt gezeigt, eine Verurteilung der sechs Männer zu erreichen. Ein Dieb ist nach Polizeiangaben noch auf der Flucht.

Den Ermittlungen zufolge schnitten die Diebe die rund 80 Millionen Euro wertvollen Gemälde bei ihrer Flucht aus den Rahmen, vermutlich weil sie darin Sender vermuteten. Später ließen sie ihr Fluchtfahrzeug stehen und sprühten es mit Löschschaum aus, um alle DNA-Spuren zu verwischen. Nach Polizeiangaben wurden die Gemälde zunächst rund einen Monat lang in einem Bus versteckt. Ende September 2004 wurden sie in ein bis heute unbekanntes Versteck gebracht.

Kurz nach seinem Beginn wurde der Prozess bis Donnerstag vertagt. Der Verteidigung soll bis dahin Gelegenheit zur Auswertung von Abhörprotokollen der Polizei gegeben werden. Das Verfahren ist auf fünf Wochen terminiert.