Der Fall macht fassungslos: 400 Schweine sind auf einem landwirtschaftlichen Betrieb über Monate qualvoll verendet. Nach neuen Erkenntnissen muss davon ausgegangen werden, dass es auch zu Kannibalismus gekommen sein muss, denn von weiteren 500 Schweinen fehlt jede Spur. Wieder stellt sich die Frage: Wie können solche Zustände so lange unentdeckt bleiben?
Die „Krone“ hat in den vergangenen Jahren immer wieder Schwachstellen bei Kontrollen thematisiert und auch die „Agrarmarkt Austria“ (AMA) kritisch damit konfrontiert. Dort wurde inzwischen deutlich nachgeschärft! 2022 fanden im Rahmen der AMA-Gütesiegel-Programme 19.826 Kontrollen statt, 2025 waren es bereits 28.640 – rund 44 Prozent mehr. Rechnerisch findet damit etwa alle 20 Minuten eine Kontrolle statt.
Schlachtdaten als Frühwarnsystem
Schweinemastbetriebe werden jährlich unabhängig überprüft, ebenso Milchviehbetriebe im Programm „Tierhaltung plus“. Neu ist auch, dass bei Schweinebetrieben verstärkt Schlachtdaten zur Risikobewertung herangezogen werden. Bei jeder Schlachtung werden Tiere, Schlachtkörper und Organe untersucht.
Denn Entzündungen, Verletzungen oder andere Auffälligkeiten können Hinweise auf Probleme im Herkunftsbetrieb geben. Häufen sich Auffälligkeiten, kann die AMA eine zusätzliche Kontrolle vor Ort veranlassen. So können Missstände möglichst schnell erkannt werden. Zusätzlich werden Betriebe künftig stärker nach Risikoprofil eingestuft.
Ein anonymes Whistleblower-System soll weitere Hinweise liefern. Demnächst soll die datenbasierte Kontrolle auch auf Rindermast und Geflügel ausgeweitet werden. AMA-Marketing-Geschäftsführerin Christina Mutenthaler-Sipek betont: „Fakt ist, dass der Großteil der österreichischen bäuerlichen Betriebe vorbildlich arbeitet. Schwerwiegende Verstöße kommen im Promille-Bereich vor. Jedoch ist jeder Fall einer zu viel.“
Schwerwiegende Verstöße kommen im Promille-Bereich vor. Jedoch ist jeder Fall einer zu viel.

Christina Mutenthaler-Sipek , AMA-Marketing-Geschäftsführerin
Bild: AMA Marketing
So wichtig diese Verbesserungen sind: Das AMA-Gütesiegel ist ein freiwilliges System. Die AMA kontrolliert jene Betriebe, die an ihren Programmen teilnehmen. Sie kann staatliche Tierschutzkontrollen daher nicht ersetzen.
Und genau dort bleibt nach Fällen wie jenem der hunderten qualvoll verendeten Schweine – der kein AMA Betrieb ist – die entscheidende Frage offen: Sind die behördlichen Kontrollen engmaschig genug?
Die AMA hat nach Kritik in den vergangenen Jahre sichtbar nachgebessert. Mehr Kontrollen, unangekündigte Besuche, Risikoprofile und Schlachtdaten sind wichtige Schritte. Doch wenn Tiere über Monate leiden, bevor jemand eingreift, ist im österreichischen Kontrollsystem sichtlich noch Luft nach oben.
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