Dürre: Tiere in Not

Wenn das Wildschwein im Wald Wasser sucht

Steiermark
19.08.2026 18:00

Nach der wochenlangen Hitze kämpfen auch in der Steiermark viele Vögel, Rehe und Igel ums Überleben. Dafür müssen Wildtiere teils sogar ihr Verhalten ändern.

Sonntagfrüh in einem oststeirischen Wald – zunächst glaubt man seinen Augen nicht zu trauen: Keine 50 Meter entfernt, kreuzt eine Gruppe (fachmännisch Rotte) Wildschweine entspannt den Wanderweg. Noch kleine Ferkel, ein paar sind aber echt riesige Kaliber. „Wildschweine bekommt man durchaus schon einmal zu Gesicht“, erklärt der Jäger später. „Aber eigentlich erst ab Herbst, wenn sie durch den Verlust ihrer Deckung durch die abgemähten Felder mehr im Wald sind. Aber derzeit kommt es wohl zu mehr Sichtungen – weil sie auf der Suche nach Wasser sind.“

Zitat Icon

Die Auswirkungen treten ja auch verzögert durch schleichenden Tod ein. Etwa wegen Krankheiten.

Marion Kranabitl-Sarkleti, Sprecherin der Jägerschaft

Das bestätigt auch Marion Kranabitl-Sarkleti, Sprecherin der steirischen Jägerschaft: „Und Wildschweine brauchen das Wasser nicht nur zum Trinken, sondern auch für Suhle. Also Schlamm, der sie abkühlt, weil sie nicht schwitzen können.“

Die Expertin weiß, dass durch die anhaltende Hitze derzeit überhaupt mehr außergewöhnliche Sichtungen möglich sind. „Weil es ja nicht ,nur’ an Wasser fehlt, sondern auch an Morgentau. Viele Wildtiere müssen in diesem Ausnahmesommer ihr Verhalten ändern“, erklärt sie. „Nehmen wir das Reh her. Es braucht an Hitzetagen sechs Liter Wasser, um zu überleben. Normalerweise würde es allein durch die Äsung und durch den Morgentau auf Gräsern genug Flüssigkeit aufnehmen.“ Doch diese fehlt vielfach – „damit ist das Reh, das sonst in der Dämmerung aktiv wäre, gezwungen, auch tagsüber Wasser zu suchen.“

Ein seltener Anblick auf einer Wildkamera: ein Reh an einer Wasserstelle
Ein seltener Anblick auf einer Wildkamera: ein Reh an einer Wasserstelle(Bild: Reiner Bernhardt)

Nachsatz: „Früher hätte man ein Reh kaum an einer Wasserstelle gesehen – derzeit ist das alltägliche Bild.“ Das könne man auch gut auf Wildkameras erkennen, „da kommt eine Tierart nach der anderen hin.“

Auch Hasen und Füchse – die sonst tagsüber in Erdkuhlen liegen, um sich etwas Kühlung zu verschaffen – oder vermehrt (nachtaktive) Igel sind unterwegs, um nicht zu verdursten.

Kranabitl-Sarkleti: „Die Jägerschaft ist, gemeinsam mit Grundeigentümern, bemüht, diesen neuen Herausforderungen gerecht zu werden und neue Wasserstellen sowie Biotope anzulegen. Das war noch nie so ein Thema wie heuer, wird uns aber auch künftig beschäftigen.“

Auch Igel sind sogar tagsüber zu sehen, der Durst treibt sie hinaus
Auch Igel sind sogar tagsüber zu sehen, der Durst treibt sie hinaus(Bild: Inke Valentin)

Stress begünstigt auch Krankheiten
Verdurstete Tiere fände man derzeit dennoch kaum, „so ein Prozess ist ja schleichend. Durch Hitze und Durst geschwächte Tiere sind anfälliger für potenziell tödliche Krankheiten und Parasiten, was sich erst später niederschlägt.“

Der Appell an alle: „Jetzt drängen ja Mensch und Wild in die kühleren Wälder, was den enorme Hitzestress der Tiere zusätzlich verschärft. Aber nicht das Tier muss sein Verhalten ändern! Der Naturnutzer muss endlich wieder lernen, sich naturverträglicher zu benehmen.“ Heißt: auf Wegen bleiben. Ruhig sein. Respektvoll. Den Rückzug antreten, wenn es zu Begegnungen kommt.

Das rät Marion Sarkleti-Kranabitl übrigens auch, sollte man ein Wildschwein sehen: „Wenn das Tier den Menschen überhaupt wahrnimmt – dazu gehört nicht nur die Sichtung, sondern der Wind muss seinen Geruch auch in die Richtung tragen -, dann bitte ruhig verhalten. Den Moment nicht als Foto-Option nutzen – sondern sofort den Rückzug antreten. Dem Tier die Fluchtmöglichkeit lassen. Ein Wildschwein wird nie von selber angreifen, außer, man lässt ihm keine Fluchtmöglichkeit.“

Ein Vogelbad bietet auch kurz Abkühlung.
Ein Vogelbad bietet auch kurz Abkühlung.(Bild: Picasa)

Wanderer mit Hunden, „die das Wildtier als Raubtier ansieht“, müssten extra aufpassen und diese immer an der Leine führen, „vor allem Mütter werden immer ihre Kleinen vor einem Raubtier verteidigen. Da kann es für den Hund zu entsetzlichen Verletzungen durch die verlängerten Eckzähne der Wildschweine kommen.“

Menschen müssen Rücksicht nehmen
An alle gilt: Rücksicht nehmen, nicht überall herumradeln oder in die letzten Rückzugsgebiete von Tieren eindringen – dann funktioniert das Zusammenleben!

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Steiermark
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung