„Krone“-Kolumne

Trumps Begriff von „respektvollem Verhalten“

Kolumnen
20.08.2026 06:45

Für sein „respektvolles Verhalten“ bekam ausgerechnet der Diktator Kim Jong-un ein Lob von Donald Trump. Die Journalistin Kristen Holmes hingegen erntete für ihr „respektloses Verhalten“ einen seiner Wutausbrüche. Als „widerwärtig und unmenschlich“ bezeichnete Trump eine unbequeme Frage. „Sie sind eine laute, aufdringliche Person. Sie sind Fake News. Seien Sie still“, tobte er – und man stellt sich unweigerlich die Frage, was der US-Präsident unter Respekt versteht. Wohl nicht, jeden Menschen als gleichwertig zu sehen, seine Würde zu wahren und Toleranz zu zeigen. Letzteres ist in Trumps Kosmos ohnehin zu einem Schimpfwort degradiert worden – und Respekt zu einer Art Unterwürfigkeit.

Der morgen vor 150 Jahren geborene, bahnbrechende Wiener Mediziner Constantin von Economo hätte wohl gerne einen Blick in den Trump’schen Kopf geworfen. Schließlich gilt er als Wegbereiter der modernen Gehirnforschung. Im Zuge seiner Arbeit an einer Art „Gehirnatlas“ stieß er auf ungewöhnliche Nervenzellen, die mit sozialem Bewusstsein, Selbstkontrolle und Empathie in Verbindung gebracht werden. Also mit all den Anforderungen für ein respektvolles Miteinander.

Die Von-Economo-Neuronen sind evolutionär vergleichsweise jung, also für die Evolution schlappe 15 bis 20 Millionen Jahre. Allerdings nährt sich der Verdacht, dass sie ihren Zenit überschritten haben. Letztlich ist Trump ja doch nur ein Symptom einer Gesellschaft, die das Miteinander immer mehr verlernt.

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